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Verdammten Verhältnisse

Aufgeblättert: Ann Petrys »The Street«

Von Guido Speckmann

Schuldlos schuldig werden ist das Thema des erstmals 1946 erschienenen Romans der Schwarzen US-Autorin Ann Petry (1908-1997). Erste Protagonistin des damaligen Bestsellers ist die 116th Street in Harlem im Norden Manhattans – damals ein Zentrum von Armut, Gewalt und Verwahrlosung. Zweite Protagonistin ist Lutie Johnson, die alleinerziehende Schwarze Mutter des achtjährigen Bubbs. Mit aller Macht versucht sie, den erniedrigenden Verhältnissen zu trotzen und ihren bescheidenen amerikanischen Traum vom sozialen Aufstieg zu leben. Es nützt alles nichts. Lutie muss arbeiten, um die Miete für die Bruchbude zahlen zu können. Ihren Sohn überlässt sie nach der Schule der Straße. Als er vom finsteren Hausmeister zum Diebstahl angestiftet wird, zieht sich die Schlinge um den Hals von Lutie Johnson zu. Um das nötige Geld aufzutreiben, um ihren Sohn aus der Besserungsanstalt zu bekommen, geht sie zum brutalen Bandleader Boots. Der wird übergriffig – aus Notwehr schlägt sie ihn mit einem Kerzenleuchter nieder. Dann werden die Schläge heftiger, bis sie »auf die Welt der Weißen« einschlägt, »die Schwarze hinter die Mauern eines Lebens sperrten, aus dem es kein Entkommen gab«. Lutie flieht nach Chicago und lässt ihren Sohn zurück. Mit einer Mörderin als Mutter hätte er überhaupt keine Chance mehr. Petrys neu übersetzter sozialrealistischer Roman besticht nicht zuletzt durch das Eintauchen in die Psyche der Figuren – auch in die der unsympathischen Nebenfiguren.

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