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Konzentrisches Eskalationsmodell

Aufgeblättert: »Rechte Bedrohungsallianzen« von Wilhelm Heitmeyer, Manuela Freiheit und Peter Stitzer

Von Sebastian Friedrich

Dass aus Worten auch Taten folgen können, haben zuletzt die Anschläge von Halle und Hanau und der Mord an Walter Lübcke gezeigt. Doch wie ist der Zusammenhang zwischen in der Bevölkerung vorhandenen rechten Einstellungen, Parteien und rechtem Terror zu erklären? Ein neues Buch von Wilhelm Heitmeyer, Manuela Freiheit und Peter Stritzer liefert Antworten.

Die Autor*innen gehen von einem konzentrischen Eskalationsmodell aus – ein soziologisches Wortungetüm, allerdings erkenntnisfördernd. Demnach bilden Ideologien der Ungleichwertigkeit den Legitmationsfundus für AfD, Pegida und Co, die wiederum die vorhandenen Einstellungen nicht nur verdichten, sondern zugleich eine Legitimationsgrundlage schaffen für Neonazis und andere extrem rechte Bewegungen. Von da aus ist der Weg nicht mehr weit zu rechtsterroristischen Akteuren, die die Vernichtung der Personen in die Hand nehmen, die durch die Ideologien der Ungleichwertigkeit markiert wurden. Die Autor*innen argumentieren nachvollziehbar und kenntnisreich mit einer Fülle empirischer Studien. Sie vergessen dabei nicht, den Aufstieg der Rechten vor dem Hintergrund der Entwicklungen des Kapitalismus zu analysieren.

Die Studie macht zudem deutlich, dass das rechte Projekt neben Parteien auch Intellektuelle, »bürgerliche Türöffner«, Bewegungen auf der Straße und eben militante Rechte umfasst. Das Buch hilft vor allem, die Verbindungen zwischen den Ebenen besser zu verstehen.

Wilhelm Heitmeyer, Manuela Freiheit, Peter Stitzer: Rechte Bedrohungsallianzen. Signaturen der Bedrohung II. Suhrkamp, Berlin 2020. 325 Seiten, 18 EUR.

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