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|ak 695 | Alltag

Ja, gut

Das war das Sommerloch 2023

Von Bilke Schnibbe

Wie oft wurde der Ort Sommerloch wohl schon in den Medien erwähnt? Zugeschnittenes Foto: Jkorting/wikimedia, CC BY-SA 3.0

Ein lesenswerter Artikel über das Thema »Sommerloch 2023« sollte einen pfiffigen Einstieg haben, weil sein Inhalt ja eben die gähnende Leere, der Stillstand, die Langeweile, die Belanglosigkeit, das Nichts ist. Hier kommt er also, der pfiffig-belanglose Einstieg: In NRW gibt es einen Ort namens Sommerloch. Sieht nett aus im Internet, die Leute trinken anscheinend gerne Wein.

Das wäre erledigt. Es folgt eine lose Aufzählung der (Nicht-)Themen des Sommers. Da wäre zum Beispiel die fast traditionelle Berliner Freibadpanik. Wie kann man das Bild des randalierenden Böllerjugendlichen aus Neukölln nochmal – Achtung – aufwärmen, scheint sich so manche*r konservative*r Journalist*in und Politiker*in gefragt zu haben. Man nimmt sich Rangeleien im Sommerbad Neukölln und jazzt sie zum generellen Problem hoch: Die Neuköllner Chaoten machen jetzt nicht mehr so Wintersachen, sondern randalieren sommerlich: Sie hauen sich in Badehosen, besetzen Rutschen und so weiter. CDU-Bürgermeister Kai Wegner erzählte prompt einen von härteren Einlasskontrollen, es soll jetzt mobile Polizeiwachen vor den Freibädern geben. Und alle wissen, wer mit »die Chaoten aus Berlin-Neukölln« eigentlich gemeint ist und wer nicht. Wer immernoch Rot-Rot-Grün in Berlin hinterhertrauert, darf sich immerhin in diesem Punkt freuen: Giffey oder Wegner, das ist inhaltlich in dem Punkt keine große Umgewöhnung.

In Berlin lief dann außerdem auch noch dieser Löwe rum, der dann anscheinend gar kein Löwe war. Der Polizeieinsatz war teuer, das Geld hätte man auch anders nutzen können, und das sind vermutlich dann genau die Beamt*innen, die zur Chaotenbekämpfung im Sommerbad Neukölln gefehlt haben.

Hätte es nicht so viel geregnet diesen Sommer, wären bestimmt noch mehr Leute ins Freibad gegangen. Den Regen fanden viele nervig. Manch eine*r fragte sich in Internetkommentarspalten, ob das mit dem Klimawandel denn überhaupt stimmen kann. Der EU-Klimawandeldienst Copernicus teilte in diesem Zusammenhang mit, dass der Juli 2023 global der heißeste Monat war, der bisher gemessen wurde mit einer Durchschnittstemperatur von 16,95 Grad Celsius. Das sind 0,33 Grad mehr als im Juli 2019, welcher bisher auf Platz 1 der heißesten Monate ever lag. Auch ist der Juli 2023 der erste Monat, der im Durchschnitt 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegt. Also auch hier nichts Neues in Bezug auf den Klimawandel. Sommerloch halt, zieht einen nicht nur wegen Langeweile und schlechtem Wetter runter, sondern auch mit seinen apokalyptischen Aussichten auf die Zukunft.

Wegen des Regens sind einige Leute dann auch auf Festivals abgesoffen und andere haben sich gefreut, dass sie nicht auf den entsprechenden Festivals waren. In Wacken, Schleswig-Holstein, war es wohl sehr matschig, weswegen viele Leute gar nicht erst anreisen konnten. Das war schade und bestimmt auch teuer. Dann hätten Landwirt*innen mit ihren Treckern aber das Festival »gerettet«, so die Veranstalter*innen. Auf der Pressekonferenz nach dem Festival fiel in diesem Zusammenhang das Wort »Bauernpower«.

Gut, dann gab es noch diese Sache mit Fabian Wolff, dazu habt ihr euch ja schon auf Seite 32 in dieser Ausgabe informiert. Oder ihr holt es jetzt nach, weil ich persönlich davon abgesehen habe das Endlos-Manifest zu lesen, das Wolff auf Zeit online veröffentlicht hat, um zu erklären, wie es dazu kam, dass er dachte bzw. behauptet hat, jüdisch zu sein.

Insgesamt kann man also sagen, medial war einiges (nicht) los. Und alles, was in der deutschen Medienlandschaft gerne ignoriert wird, findet ihr (hoffentlich) in eurer guten alten ak, die mit dieser Ausgabe aus dem betriebsinternen Sommerloch zurückgekehrt ist.

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