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Das Scheitern in Afghanistan war vorhersehbar

Aufgeblättert: »Der längste Krieg. 20 Jahre War on Terror« von Emran Feroz

Von Daniel Ernst

Wenige Wochen nach dem Abzug der Nato-Truppen aus Afghanistan ist das Thema aus den meinungsmachenden Medien wieder verschwunden. Grundlegende Kritik an dem im Oktober 2001 vom US-Präsidenten George W. Bush ausgerufenen »War on Terror« gab es dort ohnehin kaum. Dabei war das Scheitern des beschönigend »Operation Enduring Freedom« genannten Feldzuges am Hindukusch vorhersehbar. Das zeigt der Journalist Emran Feroz, 1991 in Innsbruck geboren, in seinem Buch »Der längste Krieg. 20 Jahre War on Terror«. Auf seine Schilderung der Vorgeschichte folgt die Anklage deutscher Kriegsverbrechen in Afghanistan, die hierzulande – sofern überhaupt wahrgenommen – überwiegend als bedauerliche Randerscheinungen abgetan werden. Feroz erinnert an die Ermordung von mehr als 150 Zivilistinnen in Kunduz Anfang September 2009. Der Befehl für das Massaker kam von dem Bundeswehroberst Georg Klein. Drei Jahre später wurde er zum General befördert. Den Opferfamilien zahlte Deutschland je 5.000 Dollar, weitere Entschädigungsforderungen wurden von deutschen Gerichten abgeschmettert. Auch eine offizielle Entschuldigung der Bundesregierung gab es nicht. Vorsichtig optimistisch bewertet Feroz den innerafghanischen Versöhnungsprozess. »Der Frieden von unten hat schon längst begonnen«, schreibt er in seinem kurzen Ausblick »Quo vadis, Afghanistan?«. Dazu gehöre aber auch die Aufarbeitung der Kriegsgräuel und die Verurteilung der Täterinnen. Ihre deutschen Kompliz*innen werden aller Voraussicht nach straflos bleiben.

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