Schuften, wenn die Straße schmilzt
Drei Berichte über Arbeit bei extremer Hitze
Protokolle: Jan Ole Arps
Hitze, der Klimawandel überhaupt sind eine Klassenfrage. Wer bei extremen Temperaturen draußen oder in schlecht gekühlten Räumen arbeiten muss, kriegt schnell gesundheitliche Probleme, irgendwann wird es lebensbedrohlich. Effektiver Hitzeschutz existiert an vielen Arbeitsplätzen nicht. In der Arbeiter*innen- und Gewerkschaftsbewegung ist die Klimafrage noch nicht wirklich angekommen. Wir haben in Berlin mit einem U-Bahnfahrer, einer Intensiv-Pflegekraft an der Charité und zwei Lieferando-Kurieren darüber gesprochen, wie die Hitze ihre Arbeit verändert und was helfen würde.

»Der Verkehr muss ja rollen«
A., U-Bahnfahrer bei der BVG
Ich fahre die Linien U1, U3, U4, manchmal als Springer auch U2. Ich habe sowohl Frühdienste, Beginn so 3:30 Uhr, als auch Tag- und Nachtdienste. Wetter und Jahreszeiten spielen auf meinen Linien, die große Abschnitte draußen haben, natürlich eine andere Rolle als bei den Linien, die komplett unter der Erde verlaufen. Ein Vorteil auf den Draußen-Linien ist, dass man was sieht: Bei der U1 fährst du über die Oberbaumbrücke, dann schön durch Kreuzberg und nach dem Tunnel-Abschnitt dann in Dahlem durchs Grüne bei den Villen vorbei. Du merkst auch das Wetter. Wenn es geregnet hat oder Laub liegt, verhalten sich die Züge etwas anders. Auf den Tunnellinien hast du kaum optische Eindrücke, das ist sehr monoton, das stelle ich mir auf eine eigene Art anstrengend vor. Ich kann mir auch vorstellen, dass in der U7 oder U8 die Hitze unten irgendwann steht.
Die Fahrerkabine und die Waggons auf den Außenstrecken heizen sich stark auf, wenn die Sonne draufknallt. Wir haben auf der Strecke noch viele alte Züge ohne Klimaanlage. Um die Jahrtausendwende kamen Züge mit Klimaanlage im Fahrerraum, was natürlich angenehmer ist. Das Blöde ist nur, dass die oft nicht funktioniert. Dann hat man nur die Methode: Fenster auf und »U-Bahner-Klimaanlage«. Das ist ein Spanngurt oder ein Holzkeil, der verhindert, dass die Tür zufällt. Das wird geduldet, weil wir Fahrer*innen uns sonst ständig ablösen lassen müssten – nur von wem? Also würden Züge ausfallen.
Die Hitze ist also belastend, für uns und die Fahrgäste, nur dass die Fahrgäste nicht den ganzen Tag im Wagen ausharren. Ich hatte noch keine Fahrgäste, die speziell wegen der Hitze Gesundheitsprobleme hatten. Aber es kann natürlich passieren. Ich habe oft eine extra Flasche Wasser dabei oder Traubenzucker, die ich Fahrgästen geben kann, die es brauchen. Denn wenn irgendwas Gesundheitliches im Zug passiert, müssen erstmal wir Fahrer*innen ran, Bahnhofspersonal gibt es so gut wie keines mehr. Bis 1999 gab es Zugabfertiger*innen in den meisten Bahnhöfen. Heute hast du pro Streckenabschnitt im Idealfall eine*n sogenannte*n Bahnhofsmanager*in und eine Bahnhofsaufsicht, die dann irgendwo auf der Strecke sind, meist halt nicht da, wo du bist. Wenn also jemand im Wagen zusammenklappt, hältst du an und schaust nach. Von der Leitstelle kommt in solchen Fällen oft die Frage, ob du die Person aus dem Wagen auf den Bahnsteig bringen kannst. Und am besten noch per Durchsage Fahrgäste mit medizinischer Ausbildung finden, die da bleiben, bis der Notarzt da ist. Damit du weiterfahren kannst, der Verkehr muss ja rollen. Das und vieles wäre anders, wenn es auf jedem Bahnhof Kolleg*innen gäbe.
Wenn du den ganzen Tag in der Sonne fährst, wird’s heftig.
A., U-Bahnfahrer
An den extremen Hitzetagen im Juni hatte ich Frühdienst, mein Arbeitstag war vorbei, als es richtig heiß wurde. Wenn du da mittags beginnst und den ganzen Nachmittag in der Sonne unterwegs bist – das wird schon heftig. Manchmal spielen in der Hitze auch die Signale verrückt, dann muss man halten, z.B. bis die Ersatz-Zustimmung zur Weiterfahrt kommt. Wenn das an einer Stelle draußen ist, wo die Sonne knallt, heizt sich alles weiter auf.
Was aktuell für unsere »Klimaanlage«, das Türaufsperren, ein bisschen problematisch ist, ist, dass wir auf der Hochbahnstrecke in Kreuzberg wegen baulicher Probleme zwischen Hallesches Tor und Kotti nur 25 statt 50 km/h fahren. Das wirkt sich auf die Fahrzeit aus, aber auch auf den Fahrtwind: Du bist länger in der Sonne, der Wind kühlt weniger, da heizen sich die Wagen richtig auf. Nebenbei: Ich habe gehört, in den ganz neuen Zügen aus der Jk-Baureihe wären im Fahrgastraum sogar Klimaanlagen eingebaut – aber nicht angeschlossen. Vielleicht, weil man wieder mal Wartungskosten spart.
Ob die BVG irgendwelche besonderen Extremhitze-Maßnahmen ergriffen hat, weiß ich nicht. Außer dass es an heißen Tagen oft Wasserpacks gibt, die man sich holen kann. Es wurden auch mal Kühltücher mit BVG-Logo ausgeteilt, die man nass machen und sich in den Nacken legen kann. Keine Ahnung, ob die was bringen, ich hab’s noch nicht ausprobiert.
Allerdings gibt es ein internes Konzept der BVG von 2019, »Maßnahmen bei Sommerhitze«. Für alle, die in Räumen arbeiten, Werkstätten, Verwaltung, Kantine und so, gilt entsprechend der Arbeitsschutzrichtlinie ein Stufenmodell. Ab 26 Grad sollen, ab 30 Grad müssen Maßnahmen zur Kühlung ergriffen werden. Ab 35 Grad können die Räume nicht genutzt werden, ohne dass »besondere Maßnahmen« wie mysteriöse »Entwärmungsphasen« durchgeführt werden. Für das Streckenpersonal gilt das nicht entsprechend. In dem Konzept stehen aber Vorschläge wie klimatisierte Pausenräume, »Fahrerarbeitsplatzklimatisierung«, erweiterte Pausenregelung, Getränke zum Mitnehmen und auch Arbeitsschwere und -volumen senken. Das könnten Personalrat und Gewerkschaften übernehmen und Maßnahmen einfordern.
Was vor allem helfen würde, wären kürzere Dienste an heißen Tagen. Das würde die Belastung für uns Beschäftigte senken. Mehr Personal wäre sowieso für alles gut. Gerade auch auf Bahnhöfen. Die BVG könnte sich auch was für die Fahrgäste einfallen lassen, zum Beispiel, dass es bei Hitze Wasser gibt, oder klimatisierte Wagen oder auch Wartebereiche, aber das ist alles teuer, das passiert wohl nicht. Ein Thema ist auch, inwiefern bei extremen Wetterbedingungen die U-Bahnhöfe als Schutzräume für obdachlose Menschen geöffnet werden. Da habe ich natürlich als spontane Notlösung nichts dagegen, aber eigentlich muss es für diese besonders gefährdeten Mitmenschen, wenn schon keinen Wohnraum, dann doch echte öffentliche Schutzräume geben, wo professionelle Betreuung möglich ist, statt dass sie nur in irgendwelchen Bahnhöfen geduldet werden und wenn sie bei der Hitze kollabieren, das möglicherweise übersehen wird.

»Ich warte fast darauf, dass jemand stirbt«
Rashid, Fahrer für Lieferando; Mo, Lieferando-Fahrer und Betriebsrat, aktiv im Lieferando Workers Collective (LWC) Berlin
Rashid: Ich fahre 30 Stunden pro Woche Essen aus, an sechs Tagen die Woche jeweils fünf Stunden. Da ich mit dem Auto liefere, bin ich in ganz Berlin unterwegs. Wir fahren mit unseren Privatautos, von Lieferando gibt es dafür 30 Cent pro Kilometer, damit soll alles abgedeckt sein, Benzin, Reparaturkosten, alles. Lieferando zahlt dabei nicht für die tatsächlich gefahrenen Kilometer, sondern für die schnellste berechnete Route zwischen Restaurant und Kund*innen. Umwege oder Parkplatzsuche – das sind unsere Kosten. Genauso die Rückfahrt nach der letzten Lieferung, egal ob ich in Spandau bin und 40 Kilometer fahren muss. Auch ohne Hitze decken die 30 Cent bei den aktuellen Preisen nicht mal die Benzinkosten. In der Hitze sind die Kosten durch die Klimaanlage nochmal 30 bis 35 Prozent höher, bei mir sind das 200 Euro Extrakosten im Monat. Immerhin hat mein Auto überhaupt eine Klimaanlage.
Mo: Bisher kennt man vor allem die Situation der Fahrradkuriere, aber Autokuriere haben mindestens ebenso große Probleme. Wenn man keine Klimaanlage hat, sind es im Auto nochmal fünf Grad mehr als draußen, das sind rollende Backöfen. Bei Hitze wird man schneller müde, die Unfallgefahr steigt. Oder man muss mehr Pausen machen und kann weniger Lieferungen fahren. Und das im Sommer, wo sowieso weniger bestellt wird, Stunden reduziert und viele Fahrer*innen gefeuert werden. Gut 90 Prozent der Bestellungen werden von den Restaurants selbst abgewickelt, etwa zehn Prozent von Lieferando. Davon geht inzwischen die Hälfte an Subunternehmen. Deren Fahrer*innen trifft das alles noch härter als uns Festangestellte.
Rashid: An den superheißen Tagen war die Arbeit gesundheitlich extrem. Man kriegt schnell Kreislaufprobleme, Asthma. Viele Lieferungen sind in die oberen Stockwerke, das ist bei 40 Grad sehr anstrengend. Trinkgelder gibt es kaum noch.
Reiche wollen bei der Hitze nicht selbst raus. Wir zahlen dafür mit unserer Gesundheit.
Mo, Lieferando-Kurier
Mo: Man kann es auch so sagen: Reiche lagern unangenehme Arbeit an Arme aus. Sie wollen bei der Hitze nicht selbst raus. Wir zahlen dafür mit unserer Gesundheit. Die Klassengesellschaft wird immer brutaler.
Rashid: Ich denke, es liegt auch daran, dass Lieferando und andere Plattformen versuchen, immer mehr Kund*innen anzulocken. Dadurch wird der Service schlechter. Die Restaurants bekommen die Bestellungen später, die Lieferzeiten verlängern sich, die Kund*innen sind frustrierter. Lieferando macht Versprechen – Lieferung innerhalb von 30 Minuten –, die sie nicht einhalten können.
Mo: Noch ein Beispiel, wie Lieferando mit den Fahrer*innen umgeht. Sie haben eine Nachricht geschickt, dass man bei Hitze jederzeit in der Zentrale vorbeikommen und sich Getränke aus dem Kühlschrank holen kann. Die Hauptlieferzeiten sind aber abends nach 18 Uhr und am Wochenende. Da ist die Zentrale zu. Es geht nur darum, auf dem Papier eine Hitzemaßnahme nachweisen zu können.
Rashid: Ideal wäre, wenn bei extremer Hitze die Schicht pausiert, aber weiter bezahlt wird. Am Hitzewochenende im Juni wurde der Betrieb für Fahrradkuriere – nicht für Autokuriere – um 17:20 Uhr eingestellt. Um 18:35 Uhr kam schon die Nachricht, dass es weitergeht.
Mo: Auf europäischer Ebene fordern Gewerkschaften, bei Extremwetter die Lieferungen zu stoppen, mit Lohnfortzahlung für Fahrer*innen. Bei 38 Grad ist die Arbeit draußen tatsächlich lebensgefährlich. Eigentlich warte ich fast darauf, dass ein Fahrer stirbt. Aktuell steht die Arbeiter*innenbewegung noch relativ am Anfang, was Forderungen angeht. Gut wäre, wenn es wie in anderen Ländern Arbeitsinspektionen gäbe, staatliche Stellen, die für die Einhaltung von geltendem Arbeitsschutzrecht zuständig sind und bei Verstößen auch eine Handhabe gegenüber den Unternehmen haben. Gut wäre auch, wenn wir wie Paketbot*innen oder Mitarbeiter*innen der Post eingestuft würden. Dass die Unternehmen uns als »Rider« bezeichnen, ist kompletter Bullshit. Es soll den Eindruck erwecken, wir wären ein neuer, ganz spezieller Beruf, für den die bestehenden Regeln nicht passen. Wir sind aber normale Expresskuriere, machen die gleiche Arbeit und haben die gleichen Probleme wie Arbeiter*innen der Post. Aber das Postgesetz gilt für uns nicht. In der Schweiz hat ein Gericht geurteilt, dass UberEats ein Postdienstleister ist. Sowas müsste hier auch passieren.
Rashid: Lieferando setzt alles daran, unsere Rechte zu beschränken. Wir als Fahrer*innen können uns nur zusammentun und viele Beschwerden gleichzeitig abschicken. Das macht etwas Druck auf das Unternehmen, Maßnahmen zu ergreifen.
Mo: Wir brauchen Beschwerden auch, um bei Klagen den Handlungsbedarf und die fehlende Reaktion des Unternehmens zu dokumentieren. Als Betriebsrat versuchen wir, kreativ zu werden. Wir haben zum Beispiel »Hitzekonsultationen« für Fahrer*innen angeboten, damit sie sich über ihre Rechte informieren können, die Arbeit zu unterbrechen und sich bei uns im Büro abzukühlen. Den Gewerkschaften gelten wir als unorganisierbar, weil Fahrer*innen vereinzelt arbeiten, oft bei Subunternehmen und weil wir viele nichtdeutsche Kolleg*innen haben, damit kommen deutsche Gewerkschaften immer noch nicht klar. Es bleibt uns nur, uns selbst zu organisieren. Das ist schwer, weil Lieferando das kriminelle Subunternehmer-System so pusht. Deshalb fordern wir Direktanstellung – wer uns helfen will, kann diese Petition unterzeichnen: l-wc.de/petition

»Mehr Personal ist Klimaschutz«
Paula, Pflegekraft auf einer Intensivstation an der Charité und Medizinstudentin
Ich kümmere mich pflegerisch um kritisch kranke Patient*innen, die zum Beispiel einen schweren Schlaganfall oder eine Hirnblutung hatten, häufig im künstlichen Koma und an der Beatmungsmaschine sind. Zum einen geht es darum, sie zu stabilisieren, aber auch weitere Schäden abzuwenden. Ich sorge dafür, dass die Menschen bewegt werden, dass keine Druckgeschwüre entstehen, ich mache Hautpflege, Mundpflege, Intimpflege, Versorgung bei den Ausscheidungen und engmaschige Kontrolle aller Vitalparameter. Die Arbeit ist körperlich anstrengend. Die meiste Zeit stehe oder gehe ich; wenn man die Patient*innen mobilisiert, muss man viel Gewicht bewegen.
In der Intensivmedizin an der Charité haben wir nach Tarifvertrag nicht mehr als zwei Patient*innen pro Pflegekraft, weil das kritisch kranke Menschen sind, die nicht in der Lage sind, irgendwas selbstständig zu machen. Bei mir auf der Station sind wir in der Regel mit zwölf Patient*innen voll belegt und sollten mindestens sechs, eigentlich sieben pflegerische Kolleg*innen und zwei ärztliche Kolleg*innen sein, rund um die Uhr. Es gab in den letzten Jahren durch den Tarifvertrag Entlastung einen starken Personalaufbau, wodurch es jetzt langsam möglich ist, dass diese Besetzung wirklich erreicht wird.
Hitze macht die Arbeit anstrengender. Wir haben große Fensterfronten, was einerseits gut ist: Für mich als Beschäftigte, weil ich Tageslicht bekomme; den Patient*innen hilft es bei der Reorientierung. Aber es ist Südseite, da knallt die Sonne rein. Es gibt kaum Sonnenschutz, und wir haben keine Klimaanlage – es wird also sehr warm. Hinzu kommt, dass Patient*innen oft isoliert werden müssen, weil ihr Immunsystem so schlecht ist, dass man sie vor Keimen schützen muss. Dann tragen wir Schutzkittel, Ganzkörperplastikanzüge. In denen schwitzt man schon bei 26, 27 Grad. Bei 40 Grad wie Ende Juni kommt man an Grenzen. Ich hatte an diesen Tagen einen Patienten, der dauerhaft beatmet ist über einen Luftröhrenschnitt. Solche Patient*innen geraten schnell in Panik, wenn sie das Gefühl haben, nicht genug Luft zu bekommen. Das sind Momente, wo es wichtig ist, Ruhe auszustrahlen. Bei 40 Grad in diesem Plastikkittel ging das nicht mehr. Ich musste mehrmals raus aus dem Zimmer, um mich abzukühlen. Die Versorgungsqualität leidet also, und auch wir Pflegenden werden anfälliger. Eine Kollegin aus dem Frühdienst ist wegen Kreislaufproblemen ausgefallen.
Es ist erschreckend, wie provisorisch alles gelaufen ist.
Paula, Intensivpflegerin
Eine ausreichende Besetzung kann das abpuffern. Allerdings wurde der Entlastungstarifvertrag, der das ermöglicht hat, zum Jahresende gekündigt. Der TV Entlastung bot einen verbrieften Anspruch auf gute Besetzung und einen Mechanismus, der es für die Charité oder die Vivantes Kliniken teuer macht, ihn nicht einzuhalten – und uns mit Freizeit- oder Geldausgleich entschädigt, wenn wir mehrmals in unterbesetzten Schichten arbeiten müssen. In der Politik ist allgemein der Tenor, Pflegepersonalbemessungsinstrumente abzuschaffen. Das ist ein völlig falsches Signal! Die Folge ist, dass die Leute, die wegen der Hitze vermehrt ins Krankenhaus müssen, dort auf weniger Personal treffen. Und denen, die schon im Krankenhaus sind, geht es durch die Hitze ja auch schlechter.
In Zukunft wird es solche extrem heißen Tage häufiger geben. Es ist erschreckend, wie provisorisch alles gelaufen ist. Wir haben zum Beispiel mit Gaffer Tape Bettlaken an die Fenster geklebt, um die Sonne rauszuhalten. Wir Kolleg*innen hatten irgendwann alle eine Crushed-Ice-Tüte dabei, mit der wir uns abgekühlt haben, manche hatten auch Handventilatoren vorm Gesicht, wenn es irgendwie ging. Im Patientenzimmer habe ich eine Schüssel mit Eis gefüllt und vor einen Ventilator gestellt – nach hygienischer Leitlinie eigentlich gar nicht zulässig. Es hatte etwas Dystopisches. Die Stimmung im Team war trotzdem gut: »Wir stehen das gemeinsam durch.« Vom Krankenhaus aus habe ich keine Maßnahmen in Erinnerung, außer dass wir ab einer bestimmten Temperatur die Erlaubnis bekommen, das Wasser aus den Flaschen, die eigentlich für die Patient*innen vorgesehen sind, zu trinken. Vielleicht gab es Maßnahmen, von denen ich nichts mitbekommen habe.
Was man besser machen könnte: Natürlich Klimaanlagen, Sonnenschutz, vielleicht gibt es auch Bettwäsche, in der man weniger schwitzt. Für ausreichend Personal zu sorgen, ist aber das A und O. Am meisten würde natürlich eine vernünftige Klimapolitik helfen. Das 1,5-Grad-Ziel ist schon gerissen, aber man könnte wenigstens versuchen, dass es nicht noch viel schlimmer wird.
Wir in der Charité müssen jetzt vor allem für den Erhalt des TV Entlastung kämpfen. Das sehe ich als das wichtigste gewerkschaftliche Klimaengagement in unserem Bereich. Genug Personal ist fundamental für eine gute Versorgung, die es angesichts extremerer Wetterbedingungen umso mehr braucht.
