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|ak 722 | Diskussion

»Auf dass sie Euch niemals kriegen«

Caroline Braunmühl antwortet auf den Brief, den das mutmaßliche RAF-Mitglied Burkhard Garweg im Oktober an sie geschrieben hat

Von Caroline Braunmühl

Vor rotem Hintergrund steht in einem Museum ein Motorrad der Firma Suzuki.
Keine Alternative zu Mord? Das Motorrad, von dem aus 1977 Generalbundesanwalt Siegfried Buback erschossen wurde. Foto: Wikimedia Commons/Hanno Böck, CC BY-SA 3.0

In ak 715 (Mai 2025) dokumentierten wir einen Brief von Caroline Braunmühl, der Tochter des 1986 von der RAF erschossenen Diplomaten Gerold von Braunmühl, an Burkhard Garweg, mutmaßlich ein ehemaliges Mitglied der Roten Armee Fraktion (RAF). Die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte des bewaffneten Kampfes in Westdeutschland, der »Attentatspolitik« der RAF und den Folgen für die Opfer war zuvor in der taz (21.12.2024) und dem nd (17.1. und 24.3.2025) geführt worden. Auf den in ak veröffentlichten Brief von Braunmühl an Garweg antwortete der von der Bundesanwaltschaft Gesuchte in der jungen Welt (17.10.2025). Auf diese Erwiderung wiederum reagierte Caroline Braunmühl mit einem neuen Brief, den wir im Folgenden dokumentieren.

Lieber Burkhard, herzlichen Dank für Deine Antwort. Du bist detailliert und genau eingegangen auf die Fragen, die ich Dir gestellt habe. Das weiß ich sehr zu schätzen. Ich danke Dir für Deinen Schritt, meine Frage nach der politischen Begründung für die Ermordung meines Vaters in einer anderen Sprache zu beantworten als der Sprache der RAF der 1980er Jahre – trotz Deiner Bedenken bezüglich einer propagandistischen Instrumentalisierbarkeit dessen durch die hegemonialen Institutionen, staatlich wie medial. Es bleibt für mich auch nach Deiner Erklärung etwas letztlich Unverständliches an der Ermordung meines Vaters. Das folgt wohl aus der Tatsache, dass sie politisch tatsächlich kaum nachvollziehbar war – ein »Willkürakt«, wie Du schreibst. Wichtig war es für mich aber dennoch, zum Warum Deine Sicht in einer klaren Sprache zu lesen.

RAF, politische Haltung und Politik der Gefühle

Das Schonungslose an Deiner öffentlichen Kritik an Teilen der Geschichte der RAF bei gleichzeitigem Festhalten an allem, um das es ihr letztlich gegangen ist – am Eindeutigsten vielleicht in der Frühphase und zuletzt – zeugt in meinen Augen von großer politischer und persönlicher Integrität. Es liegt weitab von jeder dogmatischen Abwehr von Kritik an der RAF, genauso weitab aber auch von jeglicher Zustimmung zur bestehenden Gesellschaftsordnung und dem hegemonialen Diskurs, sei es über die RAF oder darüber hinaus. (Du sprichst von »Geschichtsschreibung von oben«.) Niemand, der Deinen Brief vom 17./18.10.25 liest, kann meines Erachtens darin eine solche Kapitulation sehen. Ein reumütiges »Abschwören« früherer RAF-Mitglieder habe ich mir auch nie gewünscht. Ich wünsche mir ein Bedauern über die sinnlosen Morde der RAF ohne individualisierende Schuldzuweisungen oder Konzessionen an das selbstgerechte hegemoniale Verlangen nach einer Reue aufseiten ehemaliger RAF-Mitglieder, das völlig einseitig und daher verlogen ist. Wer verlangt schon nach »Reue« aufseiten des Staates, des gesellschaftlichen Mainstreams oder erst recht des Establishments?

Reue impliziert Schuld – Bedauern, Traurigkeit und sogar Trauer, auch über die Tode auf der anderen Seite des bewaffneten Kampfes, nicht unbedingt. Die letzteren Gefühle haben aus meiner Sicht auch nichts Entpolitisierendes, nichts, was den bewaffneten Kampf an sich sinnentstellen und delegitimieren würde, anders als Reue. Als Ausdruck von Bedauern im besagten Sinn nehme ich einiges wahr, was Du geschrieben hast – und das nicht allein auf diejenigen Morde der RAF bezogen, die Du als eindeutig falsch beurteilst. So, wenn Du schreibst: »Es war – und ist – am Ende immer auch ein Moment des Tragischen im Tod eines jeden Menschen und auf allen Seiten, die/der* in diesem und in einem solchen Konflikt umkam.« Das verstehe ich so, dass Du ungeachtet der Frage, wie Du einen politischen Mord beurteilst, die menschlichen, ethischen Kosten jedes solchen Mordes anerkennst. Mir ist es wichtig, auch die Verluste aufseiten der RAF anzuerkennen. Meine Empfindungen zu diesen sind ähnlich dem, was Du umgekehrt sagst. Aber an diesen Toden ist etwas ungleich Tragischeres, Brutaleres, vor allem aber Ungerechteres, denn diejenigen, die aufseiten der RAF gewaltsam zu Tode kamen (oder in den Tod getrieben wurden) haben ihr Leben im Kampf für Gerechtigkeit verloren – anders als die Toten auf der hegemonialen Seite. Das erkenne ich an, wie schon in meinem letzten Brief an Dich gesagt.

Ein reumütiges ›Abschwören‹ früherer RAF-Mitglieder habe ich mir auch nie gewünscht.

Die Gefühlspolitik und Erinnerungspolitik, die rund um das Thema »bewaffneter Kampf« immer wirksam ist, ob offen ausgetragen oder verkappt, finde ich sehr wichtig. Denn die Härte oder sogar Gefühlskälte der RAF, ein Abstrahieren von den Opfern und den ethischen Kosten ihrer Vernichtung von Menschenleben – teils noch im Nachhinein – hat in meinen Augen die erbarmungslose Härte des Staates (dazu später) in einem gewissen Sinn gespiegelt. So schreibt Lutz Taufer in seiner – meines Erachtens sehr reflektierten – Autobiografie »Über Grenzen. Vom Untergrund in die Favela« (2017) hinsichtlich der Botschaftsbesetzung in Stockholm 1975, an der er beteiligt war und bei der die RAF zwei Geiseln ermordet hat: »Wir sahen in Diplomaten nur Repräsentanten des Staats, sie und ihre Angehörigen waren für uns Abstrakta. In den letzten vier Jahrzehnten hat es über Stockholm und die Opfer bei uns, den vier Überlebenden des Kommandos, […] nie eine gemeinsame Reflektion, ein Gespräch, eine Diskussion, einen Streit gegeben.« (S. 102, Hervorhebung C.B.)

Das festzustellen halte ich schon für einen Schritt in die entgegengesetzte Richtung, und erst recht, was Lutz Taufer darüber außerdem selbstkritisch schreibt. Seine Ehrlichkeit rechne ich ihm hoch an. Erschreckend finde ich die von ihm konstatierte Tatsache allerdings trotzdem – und zwar sehr. In Deinem Brief sehe ich einen weiteren Schritt in die andere Richtung, wie Taufer ihn mit seiner Feststellung gemacht hat, und das ist für mich von immenser Bedeutung. Das hat meines Erachtens auch politische Bedeutung. Mir wäre es wichtig, dass endlich die Todesopfer und die Verluste auf beiden Seiten des bewaffneten Kampfes als solche anerkannt werden. Davon ist das hegemoniale gesellschaftliche Lager jedoch mindestens so weit, wenn nicht sogar sehr viel weiter entfernt als – so, wie ich Taufers Darstellung an dieser Textstelle verstehe – manche frühere Mitglieder der RAF oder auch ihres Umfelds: Es könnte nicht offensichtlicher sein, dass die Tode von Mitgliedern der RAF, die der Staat zu verantworten hat, vom gesellschaftlichen Mainstream als »keine menschlichen Verluste« behandelt werden und das Leid ihrer Angehörigen als nicht des Mitgefühls würdig und bedürftig.

Die hegemoniale Verleugnung der systematischen Gewalt, die dem Kapitalismus und vielen weiteren, mit ihm verzahnten Herrschaftsverhältnissen zugrunde liegt, wie auch die allgegenwärtige Legitimierung der Gewalt, mit der der Staat versucht, den Widerstand dagegen niederzuschlagen, erschwert dabei nach meiner Einschätzung eine mitfühlende Haltung auf linksradikaler Seite, wie ich sie bei Dir sehe. Denn es ist eine nachvollziehbare, wenn auch problematische Reaktion, diejenigen als nichtswürdig zu verwerfen, die ihrerseits die RAF und die radikale Linke überhaupt als nichtswürdig verwerfen, als »extremistisch« diffamieren und mit allen Mitteln bekämpfen bzw. bekämpft haben – und das, obwohl (oder weil) die Anliegen der radikalen Linken im Kern ethische sind, nämlich Gerechtigkeit und besonders eine egalitäre Orientierung, entgegen den Interessen der Herrschenden. Problematisch ist das allerdings trotzdem, weil man damit riskiert, dem Gegner ähnlich zu werden. (Zum Beispiel durch Imitation der individualisierenden Straflogik des »Systems«, was gegen ein Motiv der Rache als Beweggrund für linksradikales politisches Handeln und besonders für tödliche Gegengewalt spricht, wie sowohl von Dir als auch von mir schon in früheren Beiträgen zu unserer Diskussion gesagt.)

Mord als linksradikales Kampfmittel?

Die Verantwortung, die Du beim Staat siehst für einen regelrechten Wiederaufbau der RAF – »1973 war die RAF zerschlagen. Das Projekt RAF war damit faktisch beendet« – als Reaktion auf das repressive staatliche Agieren gegenüber den Gefangenen finde ich plausibel und ich schließe mich Deiner Sicht an. Wie auch Deinem Urteil, dass das Handeln des Staates, seiner Einzelinstanzen und Repräsentant*innen gegenüber der RAF von einem Vernichtungswillen, einer Kontinuität zum Faschismus getragen war.

Der Unterschied, den Du aufzeigst zwischen Kontexten, in denen linksradikale Gegengewalt sich in einer gesellschaftlichen Bewegung verortet oder auf sie bezieht und solchen, wo sie das nicht tut, ist mir nachvollziehbar als Kriterium für ihre (potenzielle) Legitimität oder deren Fehlen. Ich verstehe Dich so, dass ein wichtiges Kriterium für Dich darin liegt, ob sich eine bestimmte Form solcher Gegengewalt angesichts der konkreten gesellschaftlichen Verhältnisse (selbst) erklärt oder nicht – und zwar, würde ich annehmen, besonders aus Perspektive von Betroffenen von Ausbeutung, Unterdrückung und Entrechtung. Dazu möchte ich sagen, dass dieses Kriterium zwar negativ – zum Ausschluss kaum nachvollziehbarer politischer Morde wie dem an meinem Vater – funktioniert, dass in meinen Augen »selbsterklärend« aber noch nicht zwingend auch »plausibel« und erst recht nicht »legitim« heißt.

Mir wäre es wichtig, dass endlich die Todesopfer und die Verluste auf beiden Seiten des bewaffneten Kampfes als solche anerkannt werden.

Klar finde ich jedoch, dass Du jede potenzielle Legitimität eines Attentats in Deinem Brief (ansonsten) sehr restriktiv bestimmst. Dabei kann es, schreibst Du, sich nur um »Momente [handeln, C.B.], in denen es die einzige Möglichkeit wäre, entscheidende Schritte im vorangeschrittenen Prozess gesellschaftlicher Befreiung zu erreichen.« Beziehungsweise kommt in Deinen Augen ein Attentat nur jemals infrage als »ein allerletztes Mittel des Äußersten als Selbstverteidigung eines Revolutionsversuches oder dessen Voranbringen.« (Hervorhebung C.B.) Und das auch nur in »revolutionären Zeiten«: »Attentate in nichtrevolutionären Zeiten sind für mich von heute aus nicht vorstellbar«, stellst Du klar – das heißt in »Zeiten, in denen eine revolutionäre Umwälzung nicht möglich ist.«

Daraus ergibt sich meines Erachtens, dass auch die Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback durch die RAF – genau wie ihre späteren gezielten Morde – nicht legitim war. (Auch Du beharrst nun nicht mehr definitiv darauf, dass sie dies gewesen sei. Das finde ich beachtlich.) So würde ich bezweifeln, ob 1977 als »revolutionäre Zeit« bestimmt werden kann; definitiv lässt sich aus meiner Sicht nicht sagen, dass es zu diesem gezielten Mord kein alternatives Kampfmittel gegeben hätte. So kritisierst Du ja auch bereits für das Jahr 1977 die Priorisierung des Militärischen vor dem Politischen durch die RAF. Das verstehe ich dem letzteren Punkt entsprechend.

Immer, auch in dem, was Du eine revolutionäre Zeit nennst, bleiben für mich die Fragen: Macht das politische Ziel, das mit der Ermordung eines Menschen verfolgt wird – so legitim und wichtig es in sich sein mag – eine derart weitgehende Gewalt in der konkreten Situation wirklich unverzichtbar? Muss die revolutionäre Selbstverteidigung, die Du alternativ zu einem solchen Ziel als legitim geltend machst, zwingend eine tödliche Form annehmen?

Mit der Diskussion über das Ziel eines politischen Mordes ist außerdem die Frage, ob solche Morde – auch der an Siegfried Buback – zugleich von politischen Varianten eines Rachemotivs gefärbt sein können, noch nicht beantwortet. Ich stimme Dir darin zu, dass daran etwas verständlich wäre, aber es wäre nicht richtig, wie auch Du sagst. Ob allerdings die RAF diese Unterscheidung je getroffen hat, scheint mir sehr unklar zu sein. Schon die Namensgebung ihrer Kommandos, die nach toten RAF-Mitgliedern oder anderen im Widerstand Umgekommenen benannt waren, legt eher das Gegenteil nahe. Dazu noch dies: Ein Kriterium der »Plausibilität« politischer Morde öffnet, wie mir scheint, problematischerweise – und entgegen Deiner Absicht – doch wieder ein Einfallstor für das Prinzip der Rache, insoweit dieses ja auch ein Faktor bei der positiven Beurteilung eines erfolgten Attentats, seiner »Plausibilität«, durch Unbeteiligte sein kann.

Ich selbst würde die Legitimität eines politischen Mordes oder ihr Fehlen vor allem danach beurteilen, wie legitim, wie realistisch und wie weitreichend das Ziel ist, das damit verfolgt wird – vorausgesetzt, der betroffenen Person kommt federführende Mitverantwortung für die Lebensbedingungen oder den Tod anderer Menschen zu – und würde dabei ethisch strenge Maßstäbe anlegen: Ein solcher Akt müsste in meinen Augen geradezu Weltbewegendes verändern, damit die sehr hohe moralische Hürde dagegen überwunden wäre. Aber welches »Kriterium« man auch zugrunde legt: Die moralische Schwierigkeit solcher Erörterungen tritt spätestens dann zutage, wenn es nicht nur um eine konkrete historische, gesellschaftliche Situation geht, sondern wenn abstrakte Kriterien auf einen – jeglichen – konkreten Menschen bezogen werden. In dieser Konkretheit müsste ich auf die Frage »Ist seine, ist ihre Tötung legitim?« fast immer mit »Nein« antworten.

Deine Begründung für die Verwendung des Begriffs »Töten« anstatt von »Mord« für das Agieren der RAF überzeugt mich nicht. Du siehst im letzteren Begriff etwas Bürgerliches, sagst Du; so sprichst Du von »seiner Vernutzung durch die bürgerliche Geschichtsschreibung und die Klassenjustiz«. Dann erscheint es mir aber nicht plausibel und vor allem nicht konsequent, dass Du den Begriff »Mord« durchaus für die Toten aufseiten von RAF und linkem Widerstand verwendest – und somit weitgehend für sie reservierst, wie in Deiner Erklärung vom 7. bzw. 24.3.25. Ich fühle mich aber in meinem Einwand dagegen wahrgenommen und finde es respektvoll, dass Du in Deinem Brief an mich vom 17./18.10.25 vom »Mord« an meinem Vater sprichst.

Politische Überschneidungen

Solidarität unter denjenigen, die für eine radikal egalitäre gesellschaftliche Umwälzung kämpfen – auf die eine oder andere Art, in offensichtlicher oder weniger offensichtlicher Weise – ist auch mir zutiefst wichtig. Wie schon in meiner ersten Stellungnahme vom Januar 2025 im »nd« gesagt, teile ich vieles an Deiner Analyse der bestehenden Herrschaftsverhältnisse, auch wenn dem aus meiner Sicht manches hinzuzufügen wäre. (Das hat für mich vor allem mit dem zu tun, was gesellschaftlich noch nicht ausreichend politisiert ist, was von vielen noch nicht als politisch – da von Machtbeziehungen durchdrungen – erkannt wird; zum Teil selbst innerhalb der radikalen Linken.) Es steht mir politisch besonders nahe, dass Du an den weltweiten »Unterdrückungs- und Machtverhältnisse[n]« Sklaverei, Kolonialismus/Imperialismus und Rassismus hervorhebst: »Demokratie« für einige heißt Kolonialismus oder Faschismus für die anderen, um es in meinen eigenen Worten auszudrücken; bürgerliche »Demokratie« hat keine von diesen Gewaltverhältnissen unabhängige Existenz. Nahe steht mir ganz besonders, dass Du schon mehrfach in unserem Gespräch Steve Biko erwähnt hast und Dich neben vielen anderen Widerstandsbewegungen auch auf den historischen Kampf gegen die Apartheid in Südafrika beziehst (wo ich nach deren Ende studiert habe) – wie auch auf die Komplizenschaft von Kapital und Staat, auch in Deutschland, damit. Die Beweggründe für das Handeln der RAF, die auch in Deinen veröffentlichten Texten sehr deutlich werden – eine radikale Solidarität mit diesem und anderen, teils weltweiten Kämpfen, neben dem Aspekt der Selbstbefreiung – haben meine tiefe Achtung, besonders für die Konsequenz der Beteiligten. Am meisten dort, wo sie keine Menschen zu Schaden haben kommen lassen. Aber selbst eine blutige Gegen-Gewalt, die sich vom gesellschaftlichen Unten nach oben richtet, gegen die Gewalt von Kapitalismus, Rassismus, Patriarchat und weiteren Herrschaftsverhältnissen, steht mir zumindest näher als die Gewalt in umgekehrter Richtung, von oben nach unten. Das ist für mich die politische Konsequenz aus eigenen Erfahrungen einer Gewalt der letzteren Art – einer herrschaftsförmigen Gewalt.

Ich empfinde es so, dass Du die Hand ausgestreckt hast über die massive Differenz zwischen Deiner und meiner Positionierung und Orientierung hinweg.

Deine Antwort auf meinen Brief an Dich vom 20.5.25 in ak habe ich aber auch als mir gegenüber in einem gewissen Sinn solidarisch empfunden – als Solidarität mit einer Person, die nur in sehr schwacher Weise gegen asymmetrische Macht-, Unterdrückungs- und Ausbeutungsverhältnisse anzukämpfen schafft (und anzukämpfen riskiert). Nicht zuletzt deshalb, weil ich Folgen bewaffneten Kampfes auf einer sehr persönlichen Ebene auszubaden hatte und habe. (Auch vor dem Hintergrund einer tiefen Ambivalenz meinem Vater gegenüber, die seinen Tod für mich nicht gerade leichter gemacht hat.) Ich empfinde es so, dass Du die Hand ausgestreckt hast über die – trotz wesentlicher inhaltlicher Übereinstimmungen – massive Differenz zwischen Deiner und meiner Positionierung und Orientierung hinweg. Du möchtest es nicht nur sehen, sondern ich teile wirklich Deine »Hoffnung auf eine Perspektive der Befreiung«. Auch wenn meine Hoffnung auf Befreiung, als politische Hoffnung auf eine Befreiung für alle, verschwindend klein ist – die Sehnsucht danach ist groß.

Ich wünsche Dir alles Gute und ganz viel Solidarität. Gern hätte auch ich das Gespräch mit Dir persönlich fortgesetzt, was durch die staatliche Hetzjagd auf Dich und Ernst-Volker Staub verunmöglicht wird. Auf dass sie Euch niemals kriegen. Freiheit für Daniela Klette! Caroline Braunmühl

Caroline Braunmühl

ist die Tochter des 1986 von der RAF erschossenen Diplomaten Gerold von Braunmühl und wissenschaftliche Autorin.

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