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Abo| |ak 730 | Alltag |Kolumne: Torten & Tabletten

Über Behinderung und Kapitalismus sprechen, ja, aber bitte nicht über Covid

Von Frédéric Valin

Neulich wurde ich für einen Kongress angefragt, ob ich nicht über den Zusammenhang zwischen Behinderung und Kapitalismus sprechen könnte. Klar, hab ich gesagt, ich hätte da zwei Aufhänger. Erstens stellt sich die Frage, wie Kapitalismus Behinderung hervorbringt, und da wäre ein anschauliches Beispiel die Pandemie, als aus einer medizinischen Kategorie (der Risikogruppe) eine eigene Behinderung wurde. Da wäre auch die Frage mitzudenken, wie die Pandemie durch den Kapitalismus erstens entstand und zweitens am Laufen gehalten wurde. Nicht nur hat der Kapitalismus in seiner ganz spezifischen Funktionsweise also erstens die Entstehung des Virus zu verantworten, sondern zweitens auch die massenhafte Verbreitung und dadurch die millionenfache Schädigung von Körpern zugelassen, um den Selbsterhalt des Systems zu garantieren, drittens dann durch die Mangelversorgung insbesondere marginalisierter Menschen für den sozialen Aspekt der Behinderung gesorgt und parallel weiterhin den Abbau des Gesundheitssystems betrieben.

Und hier kommt dann gesundheitsökonomisch ein nächster Aspekt ins Spiel: Die Überlastung des Gesundheitssystems geht einher mit einer Liberalisierung der Sterbehilfedebatte. Das wäre ein weiterer Schlenker in eine aktuelle Debatte, die man gerade in linken Kreisen dringend in den Blick nehmen sollte; auch weil a) statistisch gesehen die letzten sechs Monate eines Menschen die teuersten sind, b) die Gesundheitskassen leergefrühstückt wurden, c) sich Sterbende und Todkranke nur selten gegen gesellschaftliche Zumutungen zur Wehr zu setzen und d) andere Länder – sagen wir Kanada – sehr effektiv vormachen, wie sich durch die Etablierung der Sterbehilfe als Behandlungsmethode sehr, sehr viel Geld sparen lässt.

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