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Akteur des Eurokommunismus

Aufgeblättert: »Der eigenartige Genosse Enrico Berlinguer« von Chiara Valentini

Von Jens Renner

Am 25. Mai wäre Enrico Berlinguer (1922-1984), der Mitbegründer des Eurokommunismus und langjährige Generalsekretär des Partito Comunista Italiano (PCI), 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass ist Chiara Valentinis Berlinguer-Biografie auch auf Deutsch erschienen. Ihre Sympathie für den Protagonisten verhehlt die Autorin nicht. Immer wieder verteidigt sie ihn gegen Angriffe, auch von links, wo es von »Extremisten« nur so wimmelt. Innerhalb der Partei spielte Berlinguer oft die Rolle des Integrators. Eine Fülle von internen Beratungen, Parteitagen und Begegnungen mit Hunderten überwiegend männlichen Gesprächspartnern schildert Valentini – Berlinguer war seit seiner Jugend kommunistischer Funktionär, aber nicht nur das. Besonders in seinen letzten Lebensjahren, nach dem gescheiterten »Historischen Kompromiss« mit der Democrazia Cristiana (DC), wandte er sich den sozialen Bewegungen zu, vor allem dem Feminismus und der Friedensbewegung. Hatte er in den 1970er Jahren noch Italiens Nato-Mitgliedschaft verteidigt, erklärte er den PCI nun für blockfrei. Die Partei dürfe ihre Vergangenheit nicht verleugnen, sondern müsse auf ihrer »Verschiedenartigkeit« bestehen und, anders als die korrupten Regierungsparteien, eine moralisch fundierte Politik betreiben. Auch damit ist er gescheitert. Nach seinem plötzlichen Tod im Juni 1984, mitten im Europawahlkampf, konnte der PCI zum ersten und einzigen Mal die DC überholen. Danach ging es kontinuierlich bergab. 1991 löste sich die Partei auf.

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