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Markt und Umwelt

Heiner Flassbecks: »Der begrenzte Planet und die unbegrenzte Wirtschaft«

Von Fabian Westhoven

Angenommen, ein Land würde die Energiewende tatsächlich schaffen – es wäre nicht viel gewonnen. Denn der Nachfrageausfall auf dem Weltmarkt lässt die Preise sinken, sodass andere Staaten die fossile Energie konsumieren können. Dieses Argument ist ein wichtiges in Heiner Flassbecks neuem Buch. In einem funktionierenden Markt führe der Minderverbrauch an einer Stelle zwingend zu einem Mehrverbrauch an anderer Stelle. Global ändere sich nichts. Für Flassbeck ist die Klimapolitik der Bundesregierung daher nichts als Symbolpolitik. Um das zu ändern, brauche es einen gesteuerten Markt, eine Besteuerung der Nachfrage sowie eine Rationierung des Angebotes. Die internationalen Energiekonzerne müssten dazu bewegt werden, Öl und Kohle in der Erde zu lassen. Davon ist man weit entfernt.

Der Autor liefert wichtige Argumente, warum die jetzige Klimapolitik unzureichend ist. Richtig auch seine Forderung, dass Klimapolitik global angegangen werden und demokratische Mehrheiten erringen muss. Seine Lösungsvorschläge gehen in die richtige Richtung. Zweifel sind jedoch angebracht, ob ordnungspolitische Maßnahmen und Preissteigerungen allein ausreichen. Ausdrücklich ist die Klimafrage für den Autor keine Systemfrage, der Kapitalismus lasse sich schon umsteuern. Bei aller Marktskepsis schimmert bei dem Keynesianer auch immer wieder ein idealisiertes Bild der Marktwirtschaft durch.

Heiner Flassbeck: Der begrenzte Planet und die unbegrenzte Wirtschaft. Lassen sich Ökonomie und Ökologie versöhnen? Westend, Frankfurt/Main. 173 Seiten, 18 EUR.

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