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|ak 690 | Lesen |Rezensionen: aufgeblättert

Enkeltauglichkeit

Aufgeblättert: »Erhalten und Erneuern« von Fritz Reheis

Von Christian Hofmann

Nachhaltigkeit« ist längst zur Floskel verkommen. Wir müssten sie aber ernst nehmen, wenn wir die Lebensgrundlagen künftiger Generationen erhalten wollten. Es geht um »Enkeltauglichkeit«, und die Zeit ist hier der springende Punkt. Fritz Reheis nutzt sie als Instrument, um den »Zusammenhang von Ökologie, Ökonomie und Sozialem« aufzuzeigen. Es geht ihm um die Einheit von natürlicher Umwelt, sozialer Mitwelt und personaler Innenwelt, um die zeitlichen Dimensionen von Wachstumsprozessen und Kreisläufen. Was sind die Zeiten der Stoffe, der Energie und des Lebens? Was stellt uns die Natur in welcher Zeit zur Verfügung? Die Frage betrifft auch das gesellschaftliche Miteinander, Zeiten der Kooperation und Kommunikation. Und nicht zuletzt auch den klugen Umgang mit sich selbst: die Zeiten des Körpers, der Seele und des Geistes. Auf diesen Feldern liest sich das Buch wie eine gute Einführung. Reheis folgt nicht der gängigen Einteilung in Geistes- und Naturwissenschaften, ihm geht es um den Gesamtzusammenhang. Schwach wird es bei der Frage nach der Umsetzung einer »intelligenten Zeitpolitik«. Mit der »Kapitalfunktion des Geldes« und der »Produktion um der Produktion willen« werden durchaus Strukturen benannt, die Nachhaltigkeit verhindern. Auch werden Ideen gesellschaftlicher Schritte für eine »Zeitpolitik« skizziert. Die angedachte »Revolution für die Enkel« aber fällt aus. Hier begnügt sich das Buch etwas halbherzig mit Ideen der neuen Frankfurter Schule um »Anerkennung« und eine »universelle Solidarität«.

Fritz Reheis: Erhalten und Erneuern. Nur Kreisläufe sind nachhaltig, Durchläufe nicht. VSA, Hamburg 2022. 138 Seiten, 12,80 EUR.

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