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Eine Anti-Liebesgeschichte in New York

Aufgeblättert: »Ein anderes« Land von James Baldwin

Von Paul Dziedzic

James Baldwins »Ein anderes Land«, 1962 erstmals erschienen, liegt erneut in deutscher Übersetzung vor. Der Roman ist ein ernüchternder Weckruf vom Schlummer des amerikanischen Traums und eine Anti-Liebesgeschichte. Nach dem Selbstmord von Rufus, einem Schwarzen Jazzmusiker im New York der 1950er Jahre, sind seine Freunde erschüttert. In ihren Begegnungen mit Rufus’ ehemaligem Freundeskreis blickt seine Schwester Ida in den Abgrund seines Todes. Sie stellt die Fragen, die seine Freunde am liebsten verdrängen würden. Denn die weißen Liberalen haben sich arrangiert – einigen gelang der amerikanische Traum, andere leben als Bohémiens. Konterkariert werden diese Erfahrungen mit Idas Kampf, Harlem zu verlassen. Dieser ist geprägt vom alltäglichen Sexismus und Rassismus. Das sind Erfahrungen, zu denen Rufus’ Freunde keinen Zugang haben, Erfahrungen, die sie ignorieren können. Baldwin nimmt die Prämissen von Liebe und Freundschaft und unterzieht diese einer kalten und realistischen Prüfung, die eines anderen Amerikas mit seinen kalten Institutionen und Illusionen in einer Stadt »ohne Oasen, die allein zu dem Zweck existierte, … Geld zu machen«. Auch 60 Jahre nach Erscheinen des Buches reflektieren die Gespräche zwischen Baldwins Figuren das, was sich Schwarze Menschen in diesen Breitengraden anhören müssen. Die Wiederauflage des Romans zeigt, dass trotz der Fortschritte der Bürgerrechtsbewegung, deren Teil Baldwin war, die Frage der Beziehungen zwischen den Menschen im rassifizierten Kapitalismus von heute relevant bleibt.

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