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|ak 714 | Lesen |Rezensionen: aufgeblättert

Leerstelle Feminismus

Aufgeblättert: »Im Schatten der Tradition« herausgegen von Christina Engelmann, u.a.

Von Alexandra Ivanova

Endlich ist es soweit: Es existiert nun ein Sammelband mit dem ausdrücklichen Ziel, die Geschichte des Instituts für Sozialforschung (IfS) in einer feministischen Perspektive zu rekonstruieren. Sarah Speck legt gleich in der Einleitung die Widersprüche einer solchen alternativen Geschichtsschreibung offen, nämlich einerseits der kritisierten, männlich kodierten »Sozialfigur des Genies« entkommen zu wollen, andererseits aber auf die Sichtbarmachung einzelner Biografien nicht verzichten zu können. Diese reichen im Band, um nur einige zu nennen, von Margarete Lissauer über Clara Zetkins Einfluss auf den IfS-Gründer Felix J. Weil, Akteurinnen der autonomen Frauenbewegung bis zum intellektuellen Verbündeten Andries Sternheim. Sie bereichern allein schon historiografisch den Forschungsstand.

Darüber hinaus werden jeweils eigenständige Theorien und inhaltliche Auseinandersetzungen der Porträtierten diskutiert und unbekannte, oft abgebrochene Verbindungen zum IfS nachvollzogen, worin die Originalität und Stärke des Bandes liegen. Ein abschließend abgedrucktes Gespräch unter aktuellen IfS-Mitgliedern zum Verhältnis von kritischer und feministischer Theorie zieht den Zeitstrahl bis heute. Einzelne Analysen könnten etwas länger ausfallen und dafür im Fazit weniger abrupt enden – doch eine Vertiefung des Themas wird von den Herausgeber*innen ohnehin, und völlig zurecht, offen gewünscht.

Christina Engelmann, u.a. (Hg.): Im Schatten der Tradition: Eine Geschichte des IfS aus feministischer Perspektive. IfS Aus der Reihe 5. Bertz+Fischer, Berlin 2025. 254 Seiten, 18 EUR.

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