Wer profitiert vom EU-Indien-Deal?
Von Lene Kempe
Es sind zwei große, dynamische Trends, die als Auslöser für den – nach knapp 20 Jahren Verhandlung – dann doch überraschend schnellen Abschluss des Handelsabkommens zwischen der EU und Indien Ende Januar genannt werden: die geopolitische Neuordnung der Welt, nachdem sich die USA als Führungsmacht des »freien Westens« verabschiedet haben; und die allgegenwärtigen Bemühungen europäischer Länder, sich von China, dem Anführer der »nicht-westlichen« Welt, wirtschaftlich wieder unabhängiger zu machen (»de-risking«). Die Funktion des »letzten Funkens«, den es noch brauchte, um die Verhandlungsrakete zu zünden, wird der Rede des kanadischen Premiers Mark Carney auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos zugeschrieben: Die alte regelbasierte Weltordnung sei nicht nur vorbei, sie sei für viele Menschen auch nie das gewesen, was sie vorgab zu sein (gerecht und auf Augenhöhe), die sogenannten Mittelmächte sollten sich nun zusammentun und an ihrer eigenen Ordnung stricken, und die könne sogar besser werden als die alte.
Wenige Tage nach der Rede finalisierten Indien und die EU ihr Vertragswerk, auch »die Mutter aller Deals« genannt, für die Schaffung einer gigantischen neuen Freihandelszone. Etwa zwei Milliarden Menschen wird der gemeinsame Wirtschaftsraum der EU und Indien einmal umfassen, wenn das Abkommen vollständig ratifiziert und, voraussichtlich Anfang 2027, in Kraft gesetzt wurde. In einem Zeitraum von meist fünf bis zehn Jahren sollen dann gegenseitige Zölle für rund 96 Prozent der zwischen EU und Indien gehandelten Waren entfallen oder deutlich gesenkt werden.
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