Wirtschaftsdemokratie
Aufgeblättert: »Viktor Agartz« herausgegeben von Christoph Jünke
Von Sebastian Klauke
Viktor Agartz war in den Veröffentlichungen von Christoph Jünke schon öfter Thema, nun hat der Historiker einen Band in der sehr verdienstvollen Reihe »Miniaturen« im Berliner Dietz Verlag zu Leben und Werk des weitestgehend vergessenen, in Teilen gar verschwiegenen Wirtschaftswissenschaftlers und Gewerkschafters herausgegeben. Reihentypisch steht am Beginn ein biografischer Abriss, gefolgt von einer Textauswahl, die in diesem Fall acht Veröffentlichungen auf rund 130 Seiten umfasst. Gerade angesichts der gegenwärtigen Kämpfe um Gehaltserhöhungen und Tarife sowie Fragen der Vergesellschaftung und Vergemeinschaftung ist dem Buch eine weite Verbreitung zu wünschen, führt Jünke doch vor Augen, auf welchem radikalen Niveau einmal in den westdeutschen Gewerkschaften nach 1945 bis zu Beginn der 1950er Jahre diskutiert und gekämpft worden ist. Im Kern ging es um die Mitbestimmung – gerade nicht verstanden als bloße Mitwirkung, sondern als eingreifende Mitgestaltung der arbeitenden Menschen in die wirtschaftlichen Verhältnisse. Jünke arbeitet diese Debatten anhand der Biografie Agartz’ heraus und führt vor Augen, wie diese sich vor dem Hintergrund gesellschaftspolitischer Prozesse verändern und zugespitzt wurden, gerade auch durch den Einfluss politischer Machtkämpfe. Jünke ermöglicht es, dem nach wie vor wichtigen Konzept der Wirtschaftsdemokratie alte Erkenntnisse neu hinzuzufügen.
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