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Bierernst gemeintes Reenactment

Aufgeblättert: »Was war die Proletarische Wende?« von Sven Gringmuth

Von Malte Meyer

Als »Proletarische Wende« der Jahre 1969/70 deklariert der Germanist und Berufsschullehrer Sven Gringmuth die auf die Krise des SDS folgende Gründung etlicher maoistischer K-Gruppen in der BRD und Westberlin. Die antiautoritären Impulse der studentisch und subkulturell geprägten Protestbewegung hätten sich vor allem unter dem Eindruck der Septemberstreiks 1969 binnen äußerst kurzer Zeit in ein bierernst gemeintes Reenactment des Zwischenkriegsbolschewismus verwandelt. Gringmuth untersucht das von ihm als bildungsbürgerlichen Kostümwechsel verstandene Schauspiel am Beispiel der KPD/AO (Sponti-Spott: »OA« – »ohne Arbeiter«) und auf Basis ihrer Parteizeitung, der Roten Presse Korrespondenz, er hat aber auch Interviews mit ehemaligen Protagonist*innen ausgewertet sowie literarische Verarbeitungen dieser Form von rückwärtsgewandtem Möchtegern-Avantgardismus analysiert. Auch wenn sie nicht an Michael Steffens vorzügliche »Geschichte vom Trüffelschwein« (dem KB) heranreicht, leistet die materialreiche Doktorarbeit einen durchaus guten Dienst, um ein genaueres Bild von der Organisationswirklichkeit des westeuropäischen Maoismus der frühen 1970er Jahre zu gewinnen. Die eigentliche »proletarische Wende«, also die Realgeschichte der Fabrikinterventionen verschiedener Fraktionen der Linken, wird in Jan Ole Arps‘ vor zehn Jahren erschienenem Buch »Frühschicht« allerdings besser beschrieben und untersucht.

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