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Aufgeblättert: »Ein schönes Ausländerkind« von Toxische Pommes

Von Nane Pleger

Toxische Pommes – nicht nur der Name der Autorin ist ungewöhnlich, sondern auch ihr Weg zum Schreiben: Zuerst war sie Juristin, dann Instagram- und TikTok-Content-Createrin und seit März dann auch Autorin eines Buches. Der Verlag verkauft es als Roman, es ist eigentlich aber vielmehr eine persönliche Erzählung ihrer Familiengeschichte. Toxische Pommes ist scheinbar die Ich-Erzählerin des Textes, die davon berichtet, wie ihre Eltern in den 1990ern vorm Jugoslawienkrieg flüchten wollen und sich dafür entscheiden, in Österreich zu dritt eine neue Existenz aufzubauen. Sie nimmt die Leser*innen mit auf den Weg zur langersehnten, am Ende »recht unspektakulären« Verleihungszeremonie der österreichischen Staatsbürgerschaft. Der Weg führt die Familie durch den bürokratischen Wahnsinn, dem Menschen, die Schutz in Westeuropa vor den blutigen und unglaublich brutalen Kriegen im Balkan suchten, ausgesetzt waren. Er führt die Familie außerdem gegen die Mauer des latenten antislawischen Rassismus der österreichischen Gesellschaft. Es ist ein Text, der gegen das liberale Narrativ, dass jede*r fürs eigene Schicksal verantwortlich sei, erzählt. Denn auch wenn sie als »ein schönes Ausländerkind« gilt, auch wenn ihre Familie den Status als »sozial voll integriert« hat, wird deutlich, welchen Preis sie für diese Auszeichnungen zahlen mussten: den der Entfremdung ihrer Selbst. Erträglich wird diese Erzählung durch den sarkastischen Unterton, bekannt aus den Internetvideos der Autorin.

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