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Rechter Durchmarsch

Aufgeblättert: »Flexibler Faschismus« von Drehli Robnik

Von Jens Kastner

Wenn Gesellschaft vor allem als Passage erlebt wird, ist alles möglich. Der Soziologe und Journalist Siegfried Kracauer (1889-1966) lässt seinen Text »Abschied von der Lindenpassage« (1930) mit der orakelhaften Prophezeiung enden, eine solche Gesellschaft als Einkaufsdurchgang könne später wer weiß was ausbrüten, »den Fascismus (sic) oder gar nichts«. Der Wiener Polit- und Filmtheoretiker Drehli Robnik greift diesen Satz Kracauers nun auf. Er dient ihm als Ausgangspunkt für die Frage der Relevanz von Kracauers Schriften für ein Verständnis der ultrarechten Mobilisierungen der Gegenwart.

Der Faschismus selbst wird weder bloß als disziplinarische Formation noch allein als Ausdruck von Kapitalinteressen verstanden. Er ist vielmehr anpassungsfähig und flexibel. Seine Gesinnung und seine Gewalt durchdringen die Gesellschaft. Er ist kein Randphänomen und kein seitenverkehrtes Pendant zu linker Mobilisierung. Denn die sogenannte Politisierung von rechts, so Robnik, ziele nicht auf »erweiterte demokratische Spielräume der Konfliktaustragung, sondern ultimativ darauf, dass demokratische Unruhen und Ansätze von Minderheitenrechten verschwinden«. Kracauer gehört zu den häufig übersehenen Theoretiker*innen der Linken, der allzu schnell allein als Filmtheoretiker rubriziert wurde. Robnik möchte ihn als politischen Autor stark machen. Und das gelingt ihm sehr gut.

Drehli Robnik: Flexibler Faschismus. Siegfried Kracauers Analysen rechter Mobilisierungen damals und heute. transcript Verlag, Bielefeld 2023. 294 Seiten, 25,99 EUR.

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