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Privater Anarchismus

Aufgeblättert: »Götterfunken« von Hannes Köhler

Von Johannes Tesfai

Der Roman »Götterfunken« von Hannes Köhler erzählt die Geschichte von drei Freunden, die im franquistischen Spanien der 1970er Jahre mit militanten Aktionen den Fall der Diktatur unterstützen wollen. Jedoch geht eine Aktion schief, und Toni muss dafür ins Gefängnis. Jürgen, der Deutsche, ist seitdem unauffindbar. Germain, ein Franzose, kann knapp fliehen. Nun stellt sich die Frage, ob die Gruppe verraten wurde. Die Handlung spannt sich von ihrem kleinen anarchistischen Zusammenhang Mitte der 1970er Jahre bis in die Gegenwart. Die militanten Aktivist*innen wandeln sich im Laufe der Jahre zu erfolgreichen Karrieristen. So tritt das Thema Verrat auf zwei Ebenen in Erscheinung: Einmal in der Frage nach einem Spitzel und zweitens als Frage nach der biografischen Entwicklung der Figuren. Sind sie trotz Geld und guten Jobs ihren Idealen treu geblieben? Köhler nimmt uns mit auf eine Reise nach Barcelona, Paris, Frankfurt und Kopenhagen. Der Autor springt zwischen den Jahrzehnten und Orten und versucht, politische Arbeit und den Rückzug ins Private einzufangen. Diese Entwicklungen lesen sich als lockere innere Monologe der Protagonist*innen. Gleichzeitig ist es auch eine der großen Schwächen des Buches. Es sind vor allem individuelle Entscheidungen und Zufälle, die das Politische aus dem Leben der Anarchist*innen verdrängen. Wenig schreibt Köhler über gesellschaftliche Ereignisse, die Bewegungen und Aktionsformen entstehen lassen, genauso wenig verarbeitet er literarisch die gesellschaftlichen Ursachen ihres Niedergangs.

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