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Gegen den Tod

Aufgeblättert: »Störung im Betriebsablauf – Systemirrelevante Betrachtungen zur Pandemie« von Thomas Ebermann

Von Nelli Tügel

Work-Die-Balance lautete die ak-Schlagzeile im Januar 2021. Sie sollte ausdrücken, was auch Thomas Ebermann zum Ausgangspunkt seiner Corona-Betrachtungen macht: Dass der staatlichen Pandemiebewältigung »ein notwendiges kapitalistisches Kalkül zugrunde liegt, nämlich das Ausbalancieren von akzeptierten Opfern und die Vermeidung einer ›zu hohen‹, das nötige Reservoir der Ware Arbeitskraft beeinträchtigenden Zahl von Infektionen.« Linkssein, schreibt Ebermann, sei dagegen »nur denkbar als Feindschaft gegenüber dem Tod«. Er leitet das von Adorno und Marcuse her, »der die ›Hinnahme und Verherrlichung des Todes‹ als einen Ursprung der herrschaftsakzeptierenden philosophischen Moral entschlüsselt« habe. Reaktionär seien entsprechend jene, die sagen, man müsse lernen »mit dem Virus zu leben« und damit eigentlich meinten: lernen zu akzeptieren, dass vor allem Alte, nicht mehr im kapitalistischen Sinne Nützliche, sterben. Ebermann widerspricht aber auch u.a. Christian Zeller und Verena Kreilinger von der Initiative Zero Covid, die in ak schrieben, der Staat käme seiner Aufgabe als ideeller Gesamtkapitalist in der Pandemie nicht mehr nach. Erstens scheitere er keineswegs daran, die Work-Die-Balance zu organisieren und zu vermitteln. Zweitens untergrabe sich selbst, wer »sich als den besseren ideellen Gesamtkapitalisten setzt«. Nicht nur die Feindschaft gegenüber dem Tod gehöre schließlich zum Linkssein, sondern auch, dem »wirtschaftlichen Getriebe und der nationalen Ökonomie« Schaden zufügen und nicht zur präpandemischen Normalität zurückkehren zu wollen.

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