analyse & kritik

Zeitung für linke Debatte & Praxis

0

|ak 719 | Lesen |Rezensionen: aufgeblättert

Brustkrebs

Aufgeblättert: »Amazonenbrüste« von Reyhan Şahin aka Lady Bitch Ray

Von Nelli Tügel

Während in der deutschen Öffentlichkeit die offensiv-sexualisierte Selbstvermarktung der Rapperin Ikkimel erstaunlich hitzig diskutiert wurde – schließlich gab es das alles dank der Rapperin Lady Bitch Ray ja schon vor 20 Jahren –, hatte die Urmutter höchstselbst: Krebs. Im Januar 2024 ertastete Reyhan Şahin, so Lady Bitch Rays bürgerlicher Name, einen Knoten in ihrer rechten Brust, der sich als kastaniengroßer Tumor entpuppte (»von da an hasste ich Kastanien«) und ihr Leben auf den Kopf stellte. Darüber schreibt die 45-Jährige in ihrem gerade erschienen Buch »Amazonenbrüste«. Detailliert berichtet sie darin von Diagnostik, Chemotherapie, OP und wie sie versucht, mit all dem klarzukommen, was ihr dabei hilft und was nicht. Herausgekommen ist eine Mischung aus persönlicher Geschichte (erste in der Familie, die promoviert hat, erste mit Krebs), Ratgeber (die während der Behandlung gemachten Erfahrungen und das angeeignete Wissen teilt Şahin nun) und feministisch-antirassistischer Kritik.

Etwa 70.000 Menschen, vor allem Frauen, erkranken in Deutschland jedes Jahr neu am Mammakarzinom, wie der medizinische Fachbegriff lautet, bei Frauen ist das der am häufigsten auftretende Krebs. Allein schon deshalb ist »Amazonenbrüste« relevant. Dass Şahin dabei ähnlich offenherzig mit der potenziell tödlichen Krankheit und ihrem Kampf dagegen umgeht wie einst mit ihrem Vaginalsekret, ist ein großes Geschenk, das sicherlich vielen Betroffenen und jenen, die sie unterstützen, eine Hilfe sein kann.

Reyhan Şahin aka Lady Bitch Ray: Amazonenbrüste – Wie ich den Brustkrebs bekämpfte. Tropen, Stuttgart 2025. 240 Seiten, 18 EUR.