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Betriebskampf

Aufgeblättert: »Spuren der Solidarität«, herausgegeben von Ada Amhang, Levke Asyr, Montel Nickelberry und Mark Richter

Von Christian Lelek

Die großen Gewerkschaften sind keine eindeutigen Gebilde. Während ihre Funktionär*innen häufig als Co-Manager*innen und Teil des Establishments eingeordnet werden, tummelt sich an ihrer Basis allerlei Potenzial für Aufruhr. Auch wenn den Mainstream-Gewerkschaften hierbei nicht zu Unrecht eine befriedende Rolle zugeschrieben wird, kommen sie zur Erfüllung eben dieser – insbesondere in Krisen – nicht umhin, Arbeitskämpfe zu führen. Sie lassen die Beteiligten erahnen, was ehrlicher Klassenkampf bedeuten könnte: eine tatsächliche Verschiebung der Machtverhältnisse. Doch ihrer Rolle gemäß zielen die Methoden der sozialpartnerschaftlichen Gewerkschaften darauf hin, dass diese Konstellation eben nicht eintritt.

Statt auf Tarifverträge mit Friedenspflicht setzt die IWW auf eine syndikalistische Gewerkschaft: auf nachhaltige Betriebskomitees und sogenannte direkte Aktionen, anhand derer die Arbeiter*innen die Arbeitsplätze zu einem Hort von Demokratie und zur »Keimform der neuen Gesellschaft« entwickeln. Sichtbare »Spuren der Solidarität« jenseits der ausgetretenen Gewerkschaftspfade hat es im deutschsprachigen Raum nur selten gegeben. Eindrückliche Beispiele zu entwickeln, legt die IWW so in die Hände der Gewerkschaftspraktiker*innen. Gleichfalls widersprüchliche Anregungen finden sich hierzu genug. Knapp 400 Seiten hätte es dafür aber nicht gebraucht.

Ada Amhang, Levke Asyr, Montel Nickelberry, Mark Richter (Hg.): Spuren der Solidarität. Betriebliche Organisierung am Beispiel der Industrial Workers of the World (IWW). Verlag Die Buchmacherei, Berlin 2024. 374 Seiten, 18 EUR.

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