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|ak 720 | Lesen |Rezensionen: aufgeblättert

Weitermachen, Herbert!

Aufgeblättert: »Herbert Marcuse – eine illustrierte Biografie« von Nick Thorkelson

Von Leon Maack

Hierzulande wird der Philosoph Herbert Marcuse eher als Randfigur der Kritischen Theorie behandelt. Das nun erstmals in deutscher Übersetzung erschienene Comic »Herbert Marcuse. Eine illustrierte Biografie« zeigt, wie lohnenswert die Beschäftigung mit dem »revolutionärsten Mitglied der Frankfurter Schule« (Kevin B. Anderson) sein kann. Mit viel Witz und Liebe zum Detail illustriert der Cartoonist Nick Thorkelson das bewegte Leben Marcuses und führt dabei in die Kerngedanken seiner Hauptwerke ein. Auf der visuellen Ebene gibt es viel zu entdecken, hier tummeln sich Referenzen auf historische wie aktuelle Personen und Ereignisse. Thorkelson stellt nicht nur wichtige Weggefährt*innen wie Angela Davis vor, sondern schildert auch die politischen Umstände, die Marcuses Denken und Handeln geprägt haben und auf die der Philosoph in den 1960er und 70er Jahren selbst erheblichen Einfluss nahm. Er wurde zum »Guru« der US-amerikanischen Neuen Linken, deren Revolte er, anders als seine Freunde und Kollegen Horkheimer und Adorno in der Bundesrepublik, in kritischer Solidarität mit Wort und Tat zur Seite stand. Bezeichnenderweise begannen seine Graduiertenstudent*innen, Marcuse von Zuhause zum Campus und zurück zu begleiten, nachdem er Morddrohungen vom Ku-Klux-Klan erhalten hatte. Obwohl er zwei gescheiterte Revolutionen miterlebte, im November 1918 in Berlin und im Mai 1968 in Paris, hat Marcuse sich niemals der Resignation hingegeben. Nicht umsonst steht auf seinem Grabstein geschrieben: weitermachen!

Nick Thorkelson: Herbert Marcuse. Eine illustrierte Biografie. Unrast, Münster 2025. 128 Seiten, 18 EUR.

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