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|ak 720 | Lesen |Rezensionen: aufgeblättert

Kritik der romantischen Beziehung

Aufgeblättert: »LiebesMacht« von Nora Kellner

Von Hêlîn Dirik

In ihrem zweiten Buch »LiebesMacht« beschäftigt sich die Politologin Nora Kellner kritisch mit dem Konstrukt der romantischen Beziehung und deren Priorisierung gegenüber Freund*innenschaften und anderen Beziehungen. Ihre Beobachtungen sind zum einen von ihrer aromantischen und asexuellen Positionierung geprägt. Sie lässt persönliche Erfahrungen einfließen und erzählt von den »Lieben ihres Lebens«. Gleichzeitig ordnet Kellner die Hierarchisierung von Beziehungen politisch ein und umreißt darin die Rolle patriarchaler, kolonialer und kapitalistischer Verhältnisse. Um deren Umwälzung geht es in »Liebesmacht« weniger, dafür aber um die Frage des politischen Potenzials von Freund*innenschaften und wie die Transformation unserer Beziehungen zur Transformation der Gesellschaft beitragen kann. Bemerkenswert ist der dialogische Stil. Die Lesenden werden immer wieder zu Gedankenexperimenten eingeladen: Wie könnte ein Leben aussehen, wenn wir anstelle von Ehe, Familie und romantischen Beziehungen Freund*innenschaften ins Zentrum stellen? Was erwarten wir von unseren Beziehungen? Wie definieren wir Liebe und Freundschaft für uns? Welche Alternativen sind vorstellbar? Sollten wir romantische Beziehungen abschaffen? Wer mit queerfeministischen Perspektiven auf Liebe und Freundschaft gut vertraut ist, wird vieles wiedererkennen. Dennoch bietet das Buch für alle eine Möglichkeit, eigene Beziehungen, Vorstellungen und Erwartungen zu hinterfragen.

Nora Kellner: LiebesMacht. Über Freund*innenschaft, Aromantik und die Dekonstruktion von romantischen Beziehungen. Unrast, Münster 2025. 336 Seiten, 19,80 EUR.

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