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|ak 722 | Lesen |Rezensionen: aufgeblättert

Geschichte der Kämpfe

Aufgeblättert: »Die radikale jüdische Tradition« von Donny Gluckstein und Janey Stone

Von Christian Hofmann

Zweifelsohne ist Donny Gluckstein und Janey Stone ein beachtliches Buch gelungen. »Die radikale jüdische Tradition« steht in einem scharfen Kontrast zu dem heute üblichen Blick auf die moderne jüdische Geschichte. Vor allem der zweite Teil überzeugt. Er handelt von Hitzköpfen und Unruhestifter*innen, die aus den Reihen der jüdischen Arbeiter*innenklasse kamen und ein bedeutender Teil der politischen Linken waren. Berichtet wird aus dem russischen Zarenreich, dem Londoner East End, New York und Polen ab den 1880er Jahren. Hier wimmelt es von Sozialist*innen, Anarchist*innen, Bundist*innen und linken Zionist*innen sowie vielfältigen Aktionsformen wie Arbeits- und Mietstreiks, Massendemonstrationen und revolutionären Erhebungen. Dem jüdischen Widerstand gegen die Nazis ist der anschließende dritte Teil gewidmet. Er soll die Behauptung widerlegen, Jüdinnen und Juden hätten sich wie die Lämmer zur Schlachtbank führen lassen. Der abschließende vierte Teil behandelt die Rolle Palästinas in der radikalen Tradition und endet mit der Gründung des Staates Israel. Für die Autor*innen, die sich als »jüdische Antizionist*innen« bezeichnen, ist es eine »Tragödie«, dass »der Zionismus an die Stelle des Radikalismus« trat. Insgesamt ist das Buch eine hervorragende Sammlung von fesselnden und teils inspirierenden Beispielen und Geschichten. Die theoretische Herangehensweise wirkt dagegen leider teilweise blass, gerade bezüglich der Erklärung des Antisemitismus.

Donny Gluckstein und Janey Stone: Die radikale jüdische Tradition. Partisanen, Revolutionäre, Widerstandskämpfer. Die Buchmacherei, Berlin 2025. 480 Seiten, 20 EUR.

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