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Irrwege und Auswege 

In der Klimabewegung machen sich Verzweiflung und Verdrängung breit, es fehlt an überzeugenden strategischen Überlegungen

Von Johanna Schellhagen

Man sieht ein Pappschild, auf dem steht: There are no jobs on a dead planet - ver.di Jugend.
Eine Bewegung, die dafür kämpft, dass wir auf diesem Planeten eine Zukunft haben, müsste dem bürgerlichen Staat mehr Konzessionen abringen, als nur die fossile Industrie zu verstaatlichen. Foto: Pexels

Sowohl symbolische Politik als auch direkte Aktionen zielen letztlich darauf ab, den Staat zu Reformen zu bewegen. In der öffentlichen Debatte um die Klimabewegung herrscht die Meinung vor, man könne den Staat durch gute Argumente überzeugen, oder über die Teilnahme an Wahlen die Macht im Staat übernehmen und dann das Klima retten. Ulrike Herrmann zum Beispiel schlägt in ihrem Buch »Das Ende des Kapitalismus« vor, dass der Staat eine Art Kriegswirtschaft einführen müsse, um Klimaschutzmaßnahmen in der gebotenen Geschwindigkeit umsetzen zu können. Ihre Rechtfertigung für einen so autoritären Vorschlag ist, dass sich das Zeitfenster, um die Klimakatastrophe überhaupt noch abmildern zu können, schließt. Als Garant für die Durchführbarkeit ihrer Idee dient Herrmann die Kriegswirtschaft in England während des Zweiten Weltkriegs. Ab 1939 hatte sich England auf den Krieg gegen Deutschland vorbereitet und 66 Prozent der Wirtschaftsleistung für die Produktion von Waffen verwendet. Um das möglich zu machen, hatte der Staat die Unternehmen zwar nicht verstaatlicht, aber ihnen nach einem genauen Plan Rohstoffe, Energie und Arbeitskräfte zugewiesen sowie Lebensmittel und Konsumgüter für die Bevölkerung rationiert, auf egalitäre Weise, sodass die Armen in diesen Jahren besser ernährt waren als in Friedenszeiten. Herrmann argumentiert, dass etwas Ähnliches jetzt auch geschehen müsse: Der Staat müsse den Konsum von Rohstoffen und Energie auf ein Maß beschränken, das mit den planetaren Grenzen vereinbar ist, und gleichzeitig die Infrastruktur für erneuerbare Energien aufbauen. In Deutschland wären Emissionen von einer Tonne CO2 pro Person pro Jahr zulässig. (Heute sind es im Durchschnitt 5,9 Tonnen pro Person für die ärmere Hälfte der Bevölkerung.)

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