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Das 9-Euro-Ticket ist der Game-Changer

Von Hinrich Eberhardt

Hinein ins Weekend-Feeling mit dem 9-Euro-Ticket. Foto: Walljet/Flickr, CC BY 2.0

Seit Jahren kämpfen einzelne Initiativen lokal für einen kostenlosen ÖPNV. Bisher ohne messbaren Erfolg. Kann das 9-Euro-Ticket das Blatt wenden? Was bisher als naturgegeben und jenseits des diskutablen galt, ist nun auf einmal ein Politikum: die Ticketpreise und die Qualität des ÖPNV sowie des Regionalverkehrs. Und das ist gut so.

Das Ticket ist ein Gewinn für alle, die ein kleines Budget haben. Durch die Begrenzung auf drei Sommermonate wirkt es in der Tat wie ein drolliges Ferienvergnügen. Aber was ist daran so schlimm? Am Pfingstwochenende wurde sichtbar, dass die Bahnen zum Beispiel nach Sylt von vielen Menschen geflutet waren, die sich vermutlich sonst keinen Gruppen- oder Familienausflug dieses Kalibers hätten leisten können. Der Radius hat sich für viele Menschen sprunghaft erweitert. Ganz im Sinne der früheren Wandervogelbewegung, strebt die proletarische Jugend aus der Enge der Mietsbaracken hinaus in die weite Welt; erweitert Horizont und Ortskenntnis. Wer dies verächtlich als Partytourismus und Mitnahmeeffekt abtut, muss sich den Vorwurf des privilegierten Wohlstandschauvinismus gefallen lassen. Dass es tatsächlich auf etlichen Strecken zu voll war, ist dem beklagenswerten Zustand der öffentlichen Infrastruktur anzulasten, nicht denjenigen, die ihre gewonnene Bewegungsfreiheit genießen. Wenn das Angebot keine 3-Monats-Fliege darstellen würde, würde sich vieles entzerren. Denn Hardware sowie Personal würden auf die veränderte Nachfrage hin nachgerüstet werden müssen.

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