Von Körpern und Köpfen
Von Frédéric Valin
L spricht noch 30 Minuten am Tag, für mehr reicht die Kraft nicht. Sie sagt: »Es ist sehr schwer für Menschen mit Ambitionen, so zu leben.« Sie sagt, sie habe so viel gearbeitet, um an den Punkt zu kommen, an dem sie stand Ende letzten Jahres: viele schöne Aufträge, Reisereportagen und Texte für Kunstkataloge, obendrein einiges fürs Radio, das heißt, sie konnte die Miete bezahlen.
Und dann war sie tanzen. Anfang Dezember hatte sie sich Covid eingefangen, und nach drei Tagen leichtem Unwohlsein war sie eigentlich wieder einigermaßen beieinander. Sie schonte sich trotzdem noch eine Woche, aber irgendwann dachte sie sich: Was soll das, ich fühl’ mich doch gut. Und da war diese Geburtstagsfeier in einem kleinen Club in Kreuzberg, und sie hat getanzt, bis sie nichts anderes mehr als glücklich war. Am nächsten Morgen wachte sie auf, und es war, als sei alles in ihr verdreht. Und seither liegt sie: ME/CFS, einer der schwersten Verläufe, die ich bisher gesehen habe. Eine halbe Stunde sprechen am Tag, ziemlich genau 28 Schritte, das ist zweimal der Weg zur Toilette und zurück, mehr geht nicht mehr. Sie erträgt kaum Licht, sie erträgt auch keine Geräusche mehr. Und es wird einfach nicht besser.
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