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Tanz der Oberklasse

Aufgeblättert: »Opernball« von Stefanie Sargnagel

Von Nane Pleger

Eigentlich würde ich annehmen, dass der Wiener Opernball weder für mich noch für die ak-Leser*innen interessant oder relevant wäre. Wenn allerdings Stefanie Sargnagel über dieses vornehme Spektakel schreibt, sieht das Ganze anders aus: Pünktlich zwei Wochen vor dem Opernball veröffentlicht Sargnagel einen Bericht über ihren Besuch 2024 bei dieser feudalen Veranstaltung. Das kurze Buch basiert auf einem Theaterstück, das die Autorin genau vor einem Jahr auf die Bühne des Wiener Rabenhoftheaters brachte. Auf der Webseite der Stadt Wien heißt es: »Der Ball der Bälle schafft Begegnungen zwischen Künstler*innen, Politiker*innen, Wirtschaftstreibenden und Ballfans.« Bei Sargnagel erfahren wir, was die: »Fleißigsten, Tüchtigsten, Schmierigsten, Schleimigsten und Gierigsten, die Wichtigen, Erwählten, Hochwohlgeborenen« diese Nacht treiben. Es ist eine humorvolle, gnadenlose Beobachtung eines Geldadels, der mit seinem Habitus, seinen patriarchalen Gebärden und seiner Zurschaustellung von materiellem Reichtum scheinbar am liebsten das 19. Jh. zurückhätte. Mit fortschreitender Ballnacht wird der Text am Ende immer surrealer, wenn der Bundeskanzler am Kronleuchter kopfüber baumelt, Erbmasse die Klos verstopft. Gerade diese ironisch-kritische Überspitzung, die die Autorin auf Feinste beherrscht, spiegelt die groteske Realität wider, in der eine kleine Elite im exzessiven Reichtum feiert, während Sozialkassen gekürzt werden und eine Lifestyle-Teilzeit bei Arbeiter*innen imaginiert wird.

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