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Linke Gedichte

Aufgeblättert: »Linke Melancholie« von Mesut Bayraktar

Von Lukas Meisner

Mesut Bayraktars Gedichte sind mehr als klassismussensibel – sie sind Klassenliteratur, literarischer Klassenkampf, marxistische Kunst. In einer Tradition mit B. Brecht und R. M. Schernikau tritt Bayraktar an zur Wiederaneignung des linken Vokabulars nach seinen »Entwendungen aus der Kommune« (Bloch). Poetisch beweist er: Gerechtigkeit, Solidarität, Frieden sind nicht als expropriierte Schlagworte den »Reformern«, »Sicherheitsgarantierern« und »guten Europäern« zu überlassen, sondern – gegen deren passive Revolution einer Nekropolitik – wieder von unten mit Leben zu füllen, wozu es poetischer Kraft bedarf. Bayraktar macht das Gedicht so lesbar als literarische Form, die ihren Inhalt nicht überschreiben muss. Indem es gegen die systemischen Vereinnahmungen dem Körper als »Natur, die wir selbst sind« (Böhme) eine Stimme gibt, wird es zur Gegenrede zum allerorten vernehmbaren, lyrischen Besingen kriegstüchtiger Fleischwölfe. Aus Bayraktars dichterischem Erkunden der Verletzlichkeit, Bedingtheit und Abhängigkeit des menschlichen Körpers folgt ein »Lob des Friedens« wider lüsternen Militarismus und selbstgerechten Bellizismus. Bayraktar hat damit nicht nur eine Abwehr gegen das Aufgeben und eine Abrechnung mit den Rechnungshöfen linken Scheiterns verfasst, sondern auch einen Appell an die internationale Solidarität jenseits der Burgfriedenspolitiken auch im linken Lager. Denn Klassenkampf heißt in der Renaissance des Imperialismus nicht zuletzt: »Frieden finden wir/ Im Kampf gegen ihre Kriege.«

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