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Zwischen Borkum und Sylt ein deutsches Jahrhundert

Von Moritz Assall

Das Bild zeigt das rote Kliff auf Sylt. Daneben ist ein weißer Sandstrand mit weißen, menschenleeren Strandkörben. Am blauen Himmel sind einige Wolken zu sehen. Zwei Möwen kreisen über den Strandkörben.
Schöner ohne Rassist*innen: Sylt. Foto: dronepicr/Wikimedia , CC BY 2.0

Vor 20 Jahren erschien das Buch »Unser Hotel ist judenfrei« des Historikers Frank Bajohr. Er schildert darin, wie seit den 1870er Jahren die Anzahl der Kur- und Badeorte wuchs, in denen jüdische Gäste nicht willkommen waren. Kurorte versandten Prospekte mit dem Hinweis, die Angebote seien »für jüdische Empfänger ungültig«, der Zutritt zu ihren Etablissements für »Juden und Lungenkranke« verboten. In Zeitungsartikeln wurden »die vielen Juden« beklagt, welche die »Sommerfrischen verschandeln« würden, den jüdischen Badegästen wurden empfohlen, »sich in Palästina zu erholen und gleich dort zu bleiben«.

Und so weiter, die Liste der Hetzartikel einerseits und Werbungen der »judenfreien« Hotels andererseits war erdrückend, der Antisemitismus immer vordergründiger, das Nahen der Katastrophe immer deutlicher. Bajohr schreibt: »Der politische Antisemitismus mit seiner charakteristischen Symbolik drückte nun auch dem Badeleben seinen Stempel auf: Antijüdische Kundgebungen und Aufmärsche, gewalttätige Übergriffe auf jüdische Gäste, Hakenkreuze auf Sandburgen, schwarz-weiß-rote Schleifen an der Kleidung der Kurgäste, Werbeanzeigen der Hotel- und Pensionsinhaber, die mit Hakenkreuzen versehen waren, Kurverwaltungen, die ihre Prospekte ›mit deutschem Gruß‹ versandten.«

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