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Was ist Klimasolidarität

Von Jens Kastner

Aufgeblättert: »Klimasolidarität« von Johannes Siegmund

Katastrophen lassen Menschen zusammenrücken. Sie trennen aber auch, erzeugen Panik, Ab- und Ausgrenzungen. Sie nehmen den einen alles, während andere von ihnen profitieren. Das gilt auch für die Klimakatastrophe, die bei vielen zu gegenseitiger Hilfe in wachsender Not führt, bei anderen zu Mord und Totschlag meist an jenen, denen es noch schlechter geht. Dieses Phänomen nennt Johannes Siegmund Klimarassismus, den er auf die lange Geschichte der geschürten Angst vor den »Schwarzen Massen« zurückführt und in seinen alltäglichen wie institutionellen Formen analysiert. »Koloniale Paranoia« lässt Menschen, die strukturell gesehen häufig vor allem Opfer sind – Migrant*innen, Arme, Schwarze –, als Bedrohung erscheinen. Demgegenüber steht die Klimasolidarität, die häufig in denselben Situationen auftaucht. Ständiger Bezugspunkt des Buches ist der Hurrikan Katrina in New Orleans (2005), in dessen Kontext beide Phänomene deutlich zutage traten. Siegmund umkreist in seinem informativen und gut geschriebenen Essay beide Erscheinungen in ihren immanenten historischen wie gegenwärtigen Zusammenhängen. Klimasolidarität ist für Siegmund nicht nur eine Haltung, sie »muss aktiv und gemeinsam gemacht werden«. Sie basiert nicht auf gleichen Erfahrungen, sondern überbrückt gerade unterschiedliche Lebensweisen, Betroffenheiten und Subjektpositionen. Klimasolidarität »schafft Beziehungen zwischen verschiedenen Menschen«. Sie wird gebraucht, um Klimagerechtigkeit überhaupt herstellen zu können.

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