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Abo| |ak 683 | Alltag |Kolumne: Jawoll, euer Ehren

War on Sex

Von Moritz Assall

Wie auch bei einigen deutschen Grünen-Politikern, erscheint Michel Foucaults Einsatz für eine fortschrittlichere Sexualmoral im Nachhinein fragwürdig: 2021 wurde öffentlich bekannt, dass er mutmaßlich in den 1960er Jahren Sexualstraftaten gegen Jungen in Tunesien verübt hatte. Foto: wikimedia commons

Bundeswehr, Tinder und Disziplinarmaßnahmen

Anfang der 1980er Jahre wurde Michel Foucault häufig von Journalist*innen zur Verbindung von Sexualität und Macht befragt, es erschienen lange Interviews mit Titeln wie »Sexuelle Wahl, sexueller Akt« oder »Sex, Macht und die Politik der Identität«. Foucault ging es darum zu zeigen, wie Grenzen von Denk- und Handlungsmöglichkeiten gezogen werden, indem die Menschen, ihr Verhalten und auch ihr (queeres) Begehren an gesellschaftlichen Idealen, dem »Normalen« gemessen, korrigiert und diszipliniert werden. Diese Disziplinierung findet nicht in juristischen Verfahren vor Gerichten statt, sondern in den Familien, in Schulen, in der Popkultur, in Sportvereinen, in allen möglichen Institutionen und so weiter – leider fast überall. Und so verwundert es dann auch nicht, dass Foucault dem Recht als Herrschaftsform für solche Prozesse vergleichsweise wenig Bedeutung zuwies. Er schrieb: »Dass (…) diese Techniken der Disziplin und diese aus der Disziplin hervorgegangenen Diskurse in das Recht eindringen, dass die Normalisierungsvorgänge mehr und mehr die Gesetzesverfahren kolonisieren, kann das globale Funktionieren dessen erklären, was ich Normalisierungsgesellschaft genannt habe.«

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