Türkische Rechte
Aufgeblättert: »Graue Wölfe« von Ismail Küpeli
Von Nelli Tügel
Am Kottbusser Tor in Berlin steht eine Gedenkstele, die an Celalettin Kesim erinnert. Kesim war Mitglied der Türkischen Kommunistischen Partei, TKP, und wurde am 5. Januar 1980 von türkischen Faschisten, Anhängern der Grauen Wölfe, und Islamisten zu Tode geprügelt. Bis heute kennen nur wenige Kesims Namen, ganz zu schweigen von denen weiterer Opfer türkischer Rechter (wie Neşet Danış, ermordet 1974 in Norderstedt, oder Erol Ispir, ermordet 1999 in Köln) – und dass die Grauen Wölfe die zweitgrößte rechtsextreme Bewegung Deutschlands sind, gehört auch nicht gerade zum Allgemeinwissen. Dabei sind sie seit Jahrzehnten aktiv und wurden dabei seitens der Bundesrepublik teils aktiv gefördert. Unter anderem darüber schreibt der Politikwissenschaftler Ismail Küpeli in seinem Buch, das sich hervorragend als Einführung in das Thema eignet. Küpeli untersucht darin nicht nur das Agieren der Bewegung hierzulande, sondern gibt auch einen konzisen Überblick über die Geschichte des türkischen Rechtsextremismus, der eng mit der Nationalbewegung und der Gründung der Republik 1923 verknüpft ist und sich 1969 mit Gründung der MHP, die heute im Bündnis mit Erdoğans AKP die Türkei regiert, institutionalisierte. Er beschreibt die Verschmelzung von Rassismus, Antisemitismus, Religion und Antikommunismus und die Auswüchse dieser Ideologie im Hass auf Minderheiten und Linke. Nicht nur, aber vor allem antifaschistisch Aktiven, sei die Lektüre ans Herz gelegt.
Ismail Küpeli: Graue Wölfe – Türkischer Rechtsextremismus in Deutschland. Unrast-Verlag, Münster 2025. 136 Seiten, 14 EUR.