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Habitus, der

Aufgeblättert: »check your habitus«, herausgegeben von Daniela Dröscher und Paula Fürstenberg

Von Julia Ingold

Das Sukultur-Heftchen check your habitus versammelt winzige Fragmente von 18 Autorinnen. Diese »Aufsteigerinnen« beobachteten sich 21 Tage lang selbst in Bezug auf »Habitus und Milieuwechsel« – inspiriert von der neu entflammten Diskussion um Klasse. Die Texte wurden im Mai 2021 unter www.checkyourhabitus.com veröffentlicht, wo sie weiterhin frei zugänglich sind, auch in fünf weiteren Sprachen. Die Prosaminiaturen verhandeln auf engstem Raum die inneren und äußeren Konflikte des »Aufstiegs« (Es wäre doch weniger klassistisch, das einfach »Wechsel« zu nennen?!) und geraten zum (bürgerlichen?) Formexperiment, denn die Unterklasse liest bestimmt kein »digitales Literaturprojekt« und kann nichts mit diesen konzisen Impressionen anfangen. Das Buch ist für mich gedruckt: Großeltern Landwirtschaft, Eltern Ausbildungsberufe, ich Promotion. Wer den Begriff Habitus kennt, hat wohl schon einen. »Mir war nicht klar, dass ich dafür Fremdworte kennen muss«, schreibt Selim Özdoğan über seinen »sogenannten sozialen Aufstieg« zum Schriftsteller. »Man liest gerne Geschichten über jene, die von unten kommen, im Gegensatz zu Geschichten über jene, die auf immer und ewig da unten bleiben«, schreibt Nadire Biskin über diese junge Gattung der Autosoziobiografie. Manchmal werden sie zitiert, aber selbst sprechen die Stimmen von unten nicht. Wer gehört wird, ist schon nicht mehr unten – ein Dilemma, das immerhin Yael Inokais Beiträge wie ein roter Faden durchzieht.

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