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Gemeinsame politische Überzeugungen

Aufgeblättert: »Genossen!« von Jodi Dean

Von Nelli Tügel

Solidarität und Genossen waren zentral in der Arbeiterbewegung – während Solidarität heute ein ubiquitärer, oft sinnentleerter Begriff ist, gilt die Genossin als altmodisch. Dabei beschreibt die Beziehung zwischen Genoss*innen einen auf politischen Überzeugungen und gemeinsamen Zielen beruhenden Zusammenhalt, mit dem sich die Welt verändern lässt, so die Ausgangsthese der US-Politologin Jodi Dean, die eine Theorie und Geschichte dieses Verhältnisses vorgelegt hat. Die Autorin spitzt ihre Überlegungen zu bedenkenswerten Aussagen zu. Etwa zu der, dass jede*r, aber nicht alle Genoss*innen sein können. Darin steckt zweierlei: Erstens der Verweis darauf, dass, wenn man zusammen auf einer Seite der Barrikade steht, es auch die andere Seite gibt. Zweitens ist die Aussage – wie der gesamte Text – eine Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Identitäten. Jede*r kann Genoss*in sein heißt: An Identitätsmerkmalen lässt sich das nicht ausmachen. Das Verhältnis von Genoss*innen zu Unterstützer*innen ist wie jenes von Solidarität zu Charity. Das eine soll der Zusammenschluss Gleichgesinnter sein, das andere eine Art Ablasshandel unter Ungleichen. Allerdings bestehen und bestanden auch zwischen Genoss*innen reale Ungleichheiten, zum Beispiel zwischen Schwarzen und weißen Genoss*innen, weil zwar in der Idee schon die Utopie der Gleichheit steckt, sie aber in den Verhältnissen noch nicht verwirklicht ist. Damit setzt sich Dean gründlich auseinander – das Ergebnis ist ein diskussionswürdiger (wenn auch teils irritierend übersetzter) Beitrag in der Debatte um Identitätspolitik, die an klugen kritischen Einwürfen eher arm ist.

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