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Fußballträume

Aufgeblättert: »71/72. Die Saison der Träumer« von Bernd-M. Beyer

Von Jens Renner

In seinem Buch »71/72. Die Saison der Träumer« zeichnet Bernd-M. Beyer »das Porträt einer einzigartigen Saison und das Sittenbild einer bewegten Zeit«, so der durchaus zutreffende Klappentext. Beyers Chronik beginnt im Juni 1971 mit der Aufdeckung des bis heute so genannten »Bundesligaskandals«: In der gerade beendeten Saison haben Funktionäre abstiegsbedrohter Vereine mit Geld dringend benötigte Siege gekauft, und etliche Spieler haben die Hand aufgehalten. Die Skandalgeschichte ist der eine Erzählstrang, der zweite widmet sich der im August 1971 beginnenden Bundesligasaison. Deren Stars prägen nicht nur eine neue sportliche Ästhetik, sie unterscheiden sich auch als zunehmend selbstbewusste Persönlichkeiten von den biederen Balltretern vergangener Jahrzehnte. Vor allem allerdings geht es ihnen ums Geldverdienen. Politisch im engeren Sinne sind nur wenige, der angebliche »Maoist« Paul Breitner immerhin sympathisiert mit der regierenden SPD. Die aber steht innenpolitisch mit dem Rücken zur Wand. Namentlich Willy Brandt gilt wegen der neuen Ostpolitik den Revanchist*innen von CDU/CSU, NPD und Aktion Widerstand als Vaterlandsverräter. Und dann sind da noch die RAF und eine teilweise militante Jugendbewegung, deren Soundtrack der Agitrock von Ton Steine Scherben liefert. Beyers »Sittenbild« ist breit angelegt, faktenreich und unterhaltsam, auch wenn seine Idole – neben Brandt und Rio Reiser der Schalker Dribbelkünstler Stan Libuda – arg viel Raum einnehmen.

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