Die Mafia und das Proletariat
Manchmal gemeinsam, öfter gegeneinander – das Verhältnis zum Gangstertum prägte die Anfänge der US-Arbeiter*innenbewegung
Von Faheem Hemboum
Dov’è Panto – Wo ist Panto?« Diese Frage verbreitete sich 1939 binnen weniger Tage in New York, von den Docks bis zu Hauswänden in ganz Brooklyn. Die Hafenarbeiter*innen suchten nach ihrem italienischen Kollegen Pietro Panto. Eine Antwort auf die Frage könnte Emil Camarda gehabt haben. Der Italiener war Vizepräsident der Hafenarbeiter*innengewerkschaft Longshoremen’s Association (ILA) und ein Gangster mit Beziehungen zum Establishment. Sein Boss, der irische Gewerkschaftspräsident Joe Ryan, tolerierte Camardas Aktivitäten gutmütig. Neben einer ausdrücklich unternehmensfreundlichen Politik galt Ryans Engagement dem Kampf gegen die Ausbreitung kommunistischer Agitation unter den Arbeiter*innen. Auch wenn der Kontakt zur Mafia selbst für erfolgreiche Geschäftsleute teuer und lebensgefährlich werden konnte, zogen sie Schutzgeld an korrupte Gewerkschaftsbosse oder Zahlungen zur Abwendung von Streiks einer lebendigen Gewerkschaftsdemokratie und der »Gefahr« linker Gewerkschaften vor.
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