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Neue Frontlinien im Klassenkampf

Aufgeblättert: »Zur Entstehung einer ökologischen Klasse« von Bruno Latour und Nikolaj Schultz

Von Guido Speckmann

Alles müsse sich radikal ändern – und nichts verändere sich, stellen der kürzlich verstorbene Bruno Latour und Nikolaj Schultz angesichts des »Highways in die Klimahölle« (Guterres) und des Artensterbens fest. Die Gewissheit der Katastrophe scheine das Handeln eher zu lähmen. Ziel ihres knappen, aber äußerst gedankenreichen Memorandums ist es, diese Lähmung zu überwinden. Dazu wollen sie den Marxschen Klassenbegriff für das Zeitalter des Anthropozäns aktualisieren. Ihr Ziel: der »ökologischen Klasse« zu einem Klassenbewusstsein verhelfen – damit es alles ändern könne. Zunächst jedoch wird der herkömmliche sozialistische Klassenbegriff kritisiert. Dieser sei auf die Produktion ausgerichtet. Das Produktionssystem ist jedoch zu einem Zerstörungssystem geworden, das die materiellen Grenzen des Planeten überschreitet. Daher verlaufen die Frontlinien des neuen Klassenkampfs anders: nicht mehr innerhalb des Produktionssystems, sondern zwischen dem »Erhalt der Bewohnbarkeitsgrenzen der Erde« und dem Produktionssystem. Das hat weitreichende Folgen: Begriffe wie Fortschritt, Emanzipation, Wachstum, Natur, Ressourcen und Mensch-Sein werden einer radikalen Kritik unterzogen. Zur ökologischen Klasse gehörten diejenigen, die sich der Frage der Bewohnbarkeit annehmen. Das bleibt im Buch so vage, wie es hier klingt. Das ist eine Schwäche, der Latour und Schultz sich durchaus bewusst sind bzw. waren, und spiegelt wider, dass eine ökologische Klasse nur in Keimformen erkennbar ist. Dennoch ein sehr lesenswerter Beitrag zur Ökologie-Diskussion.

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