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|ak 716 | Lesen |Rezensionen: aufgeblättert

Austerität

Aufgeblättert: »Die Ordnung des Kapitals« von Clara E. Mattei

Von Sebastian Klauke

Austeritätspolitik ist schon seit Jahrzehnten Bestandteil der Politik in der westlichen Welt. Für Europa und Deutschland wurde sie für unsere Gegenwart von Ingo Stützle und Tino Petzold eingehend analysiert und kritisiert. Die in den USA lehrende italienische Historikern Clara E. Mattei legt in dieser ausgezeichnet lektorierten Übersetzung aus dem Englischen eine quellengesättigte Studie vor, die einen Vergleich zwischen der Politik in Großbritannien (mit einem liberalen politischen System) und Italien (seit 1922 faschistisch organisiert) hinsichtlich der Entwicklung austeritätspolitischer Ideen versucht. Matteis Untersuchungszeitraum beginnt nach dem Ersten Weltkrieg und geht bis in die 1930er Jahre. Dabei greift sie auf Archivmaterialien wie Protokolle und Zeitungsartikel zurück, die in Teilen erstmals derartig ausgewertet wurden. Besondere Aufmerksamkeit widmet sie dabei verschiedenen englischen wie italienischen Wirtschaftswissenschaftlern, denen es gelang, als vermeintlich über den Dingen stehende Experten der Austerität zu einer festen Existenz zu verhelfen. Sparpolitik wurde dann wirkmächtig in der Politik eben mit ihrer Expertise und Beratung der Wissenschaft – gepanzert mit dem entsprechenden Zwang – maßgeblich umgesetzt: insbesondere auf materiell wie gesundheitlichen Kosten der arbeitenden Bevölkerungen. Ein detail- und sehr lehrreiches, das historische Wissen bereicherndes Buch.

Clara E. Mattei: Die Ordnung des Kapitals. Wie Ökonomen die Austerität erfanden und dem Faschismus den Weg bereiteten. Brumaire Verlag, Berlin 2025. 584 Seiten, 22 EUR.

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