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Kein Klischee

Aufgeblättert: »Menschen wie wir« von Thị Thanh Thảo Trần

Von Nane Pleger

Menschen wie wir« sagt der Vater der Protagonistin Thảo »sind hier nicht gleichberechtigt.« Er ist wütend, enttäuscht. Mitte 20 verlässt er Vietnam, um als einer von 60.000 Vertragsarbeiter*innen in die DDR zu gehen. Dort will er drei Jahre in einer Fabrik arbeiten und genügend Geld ansparen, um in Vietnam seiner kleinen Familie ein Leben ohne finanzielle Sorgen zu ermöglichen. Über 30 Jahre später ist er immer noch in Deutschland. Seine Familie ist nach über zehn Jahren der Trennung in das mittlerweile »wiedervereinte« Deutschland nachgekommen und nun will er nur eins: zurück nach Vietnam, wo »die Menschen keine Erklärung für ein Existenzrecht von mir verlangen.« Die Geschichte wird aus der Perspektive seiner Tochter Thảo erzählt, die ihren Vater ein Jahrzehnt, ihr erstes, fast gar nicht kannte. Thảo berichtet von ihrer glücklichen, wenn auch materiell prekären Kindheit in Vietnam, die mit ihrem Umzug nach Deutschland als 11-jährige jäh endet: Sie wird zur »Sekretärin der Familie«. Sie erzählt uns von ihren überforderten Eltern, von ihrem eigenen Wunsch, dazuzugehören, und von ihrer Sprachlosigkeit. Dieser Roman gibt einer Figur eine Stimme, die sich als Migrantin in der deutschen Gesellschaft unsichtbar fühlt und er gibt auch einer Kultur eine Stimme, die gerne auf ihr Essen reduziert wird. Die Autorin verwebt in ihren Text Zitate aus vietnamesischer Poesie, Liedern und Sagen. Es ist eine Erzählung von Schmerz, Thất Tình – dem Fehlen der Liebe, aber auch von Liebe und Selbstermächtigung.

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