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Theresienstadt

Aufgeblättert: »Das letzte Ghetto« von Anna Hájková

Von Jens Renner

Anna Hájkovás Buch »Das letzte Ghetto« erzählt, so der Untertitel, eine »Alltagsgeschichte von Theresienstadt«. In der Einleitung nennt die Autorin Theresienstadt das »wohlbekannte, kaum verstandene Ghetto«. Es bestand bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs und war Ghetto und Konzentrationslager zugleich –
und Durchgangsstation in die Vernichtungslager. Das besondere Interesse der Autorin, Nachkommin in der Shoah ermordeter Jüdinnen und Juden, gilt der sozialen Struktur des Ghettos, wo unter der Herrschaft der SS eine Art jüdischer Selbstverwaltung bestand. Die medizinische Versorgung funktionierte, es gab eine Jugendfürsorge, und auch das kulturelle Leben war vielfältig. Dabei entwickelte sich »eine komplexe Gesellschaft, in der ethnische Zugehörigkeit, soziale Netzwerke, Alter, Geschlecht und andere Faktoren diverse, miteinander verbundene Gruppen hervorbrachten«. Auch gab es ideologische Spannungen, u.a. zwischen Zionist*innen, Assimilierten und Kommunist*innen. Besonders problematisch war, dass ein »Judenrat« auch über die Zusammenstellung der Transporte »in den Osten« entschied. Das führte nach dem Krieg zu kontroversen Debatten und Vorwürfen der Kollaboration. Hájková hält sich mit einem Urteil zurück. Sie besteht aber darauf, dass es für die handelnden Personen auch in Extremsituationen Entscheidungsspielräume gab. Für ihr Buch hat sie viele historische Dokumente gesichtet und vor allem Überlebende befragt – auch um bislang unbekannte Geschichten zu erzählen.

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