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Abo| |Thema in ak 666: Satan & die Hölle

Müßiggang: Über eine Todsünde, die nur zu empfehlen ist

Von Johannes Tesfai

Die Faulheit, ein päpstliches Add-on der Todsünden, hat es im sechsten Jahrhundert in den Kanon der Kirche geschafft, um den Gläubigen ein weiteres Mal ihre lückenhafte Unfehlbarkeit vor Augen zu führen. Christliche Zeitgenossen mögen dem Prinzip der Todsünden etwas abgewinnen können: Es diene ja nur dazu, die Menschen davon abzuhalten, sich selbst ins Unglück zu stürzen und dadurch ein gutes Miteinander zu fördern. Und hat nicht einer der großen Kirchenväter selbst »ora et labora« zur Erlösungsfloskel auserkoren? Arbeiten und beten für das Seelenheil – Faulsein und Nichtstun als diabolischer Akt: Gar nicht so unpraktisch für eine Institution, die nicht nur Glaubensgemeinschaft, sondern im Mittelalter auch ein mächtiger Wirtschaftsbetrieb mit zu bestellenden Feldern und Untertanen war.

Die Motivation in den Diensten der Kirche auf dem Feld die Hacke zu schwingen, dürfte jedenfalls um einiges höher gewesen sein, seitdem die einfachen Leute eine Höllenangst vor den Konsequenzen der Faulheit hatten. Vor allem dann, wenn der Chef der Pastor und der Pastor der Chef ist. Ein Mann mit Standleitung direkt zum heiligen Vater im Himmel, Entscheider über Paradies oder Fegefeuer. Dem Herrn sei Dank, war es irgendwann vorbei mit diesen schrägen Priestervögeln, die Graf und Sprachrohr Gottes in einem sein konnten – der Müßiggang als Todsünde aber blieb. Es ist erstaunlich, aber irgendwo zwischen albernen Gewändern, ordentlich Weihrauch und dem Marketingtrick »Nächstenliebe« scheint es der gegenwärtigen Kirche gelungen zu sein, davon abzulenken, was sie eigentlich ist: eine Angstproduzentin, die erwünschtes Verhalten erzwingt. Eine Methode, wirksamer als jede Bestrafung.

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