Queere DDR-Literatur
Aufgeblättert: »bin weiblich, bin männlich, doppelt« herausgegeben von Franziska Haug
Von Justus Sartorius
Erich Loests »Hitlers Befehle« als Front-Erzählung lesen, die von Möglichkeiten homosexuellen Begehrens zweier Soldaten handelt. Lesbische Beziehungen bei Irmtraud Morgner und Helga Königsdorf als Erkenntnisräume begreifen – durch Verfremdungstechniken verdeckt und eingebunden in utopische Formen von Fantastik und Märchen. Oder sich noch einmal dem unbekannteren Frühwerk der außerordentlichen Autorin Christa Reinig zuwenden. Der von Franziska Haug herausgegebene Band versucht genau das und beschäftigt sich mit queeren Texten der DDR. Dass dabei sehr bewusst nicht nur auf größere Autor*innen wie Wolf oder Schernikau Bezug genommen wird, kann dem Sammelband hoch angerechnet werden. Auch dass teils noch gar nicht intensiver bearbeitete Texte eingebunden werden und dabei offensichtlich sehr nah mit Archiven gearbeitet wurde. Das Buch ist im Zuge der gleichnamigen Tagung im Rahmen des Projektes »Light on! Queer Literatures and Cultures under Socialism« in Regensburg entstanden. Es reiht sich ein in eine weiter voranschreitende, aber trotzdem noch sehr abgekapselte, neue Auseinandersetzung mit der Literatur der DDR, die klarmacht: Diese Bücher sind interessant, die Themen aktuell, die Sprache vielseitig. Zu einer Zeit, in der immer noch viele Romane teils schwer verfügbar sind, unterstreicht dieses lesenswerte Buch das auf eine sehr anregende Weise.
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