analyse & kritik

Zeitung für linke Debatte & Praxis

0

|ak 721 | Lesen |Rezensionen: aufgeblättert

Vergesellschaftung

Aufgeblättert: »Das laute Berlin« von Ralf Hoffrogge

Von Peter Nowak

»Hunderte Aktivist*innen ziehen durch Neukölln. Deutsche Wohnen enteignen singen sie.« So beschreibt der Historiker Ralf Hoffrogge in seinem Buch die Stimmung in den Abendstunden des 26. September 2021, nachdem die Initiative Deutsche Wohnen und Co enteignen (DW Enteignen) bei einer Volksabstimmung mit 56,9 Prozent in Berlin gewonnen hatte. Hoffrogge gehörte seit 2018 zum Kernteam von DW Enteignen. In seinem Buch beschreibt er sehr detailliert, wie es der kleinen Initiative gelang, eine Mehrheit für die Vergesellschaftung von großen Wohnkonzernen zu gewinnen. Dabei verschweigt er auch nicht die vielen Probleme. Es ist seinem Buch anzumerken, wie eng er mit der Initiative DW Enteignen verbunden ist. So wird die große Mietenbewegung in Berlin ausgeblendet, ohne die der Erfolg von DW Enteignen nicht möglich gewesen wäre. Aber auch manche Kritiken, die beispielsweise im Mieterecho, der Zeitung der Berliner Mieter*innengemeinschaft, an DW Enteignen zu lesen waren, hätten mehr Beachtung verdient. Dort wurde davor gewarnt, dass der Berliner Senat die Vergesellschaftungsinitiative ausbremsen würde, weil nicht über einen konkreten Gesetzentwurf, sondern über eine Empfehlung an die Politik abgestimmt wurde. Genau das ist geschehen. Jetzt plant DW Enteignen einen neuen Anlauf, dieses Mal mit einem verbindlichen Gesetzestext. Der Kampf um die Vergesellschaftung von Wohnkonzernen, den Hoffrogge beschreibt, geht in Berlin weiter.

Ralf Hoffrogge: Das laute Berlin. Deutsche Wohnen und Co und die Wiederkehr der Vergesellschaftung. Brumaire Verlag, Berlin 2025. 532 Seiten, 24 EUR.

Keine Abos, keine ak

Schön, dass du da bist! Viele unserer Artikel kannst du auch ohne Abo lesen. Das ist Absicht. Aber: Wir können nicht ohne Abos überleben.

Linke Medien zu machen, kostet Geld. Wir haben keine reichen Financiers und keine großen Anzeigenkund*innen. ak arbeitet komplett unabhängig, und das soll auch so bleiben. Deshalb brauchen wir dich.

Was kannst du tun?

Linke Medien sind unverzichtbar. Dein Abo macht ak möglich.

Alles klar, ich bin dabei!