analyse & kritik

Zeitung für linke Debatte & Praxis

Abo| |ak 681 | Alltag |Kolumne: Jawoll, euer Ehren

Jetzt bring’ ma wieder Schwung in die Kiste

Von Moritz Assall

Bild eines bunten Karoussels mit den Schaukelstühlen, die sich um eine Säule drehen. Auf den Schaukelstühlen sitzen vereinzelt Leute.
»Jetzt bring' ma wieder Schwung in die Kiste! Volle Pulle! Super!« Foto: Radler1999 / Pixabay

Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine »ungeheure Warensammlung«, die einzelne Ware als seine Elementarform – so lautet der berühmte erste Satz des Kapitals von Karl Marx. Voraussetzung für so etwas wie Warenform ist das Eigentum. Kleines Problem: Das muss juristisch erst Mal hergestellt werden, und das ist manchmal gar nicht so einfach. Wie wird zum Beispiel so etwas wie Eigentum an geistigen Schöpfungen begründet? Durch das Urhebergesetz, das etwa einem »Sprachwerk« den Status eines geschützten Werkes verleiht, wenn es über eine hinreichende »Gestaltungshöhe« verfügt. Die Gerichte müssen also, damit auch Sprachwerke warenförmig und damit in die kapitalistische Verwertung eingespeist werden können, regelmäßig darüber entscheiden, ob ein Sprachwerk banal und alltäglich ist oder eine »geistige Schöpfung« mit »Gestaltungshöhe«. Kurz: ohne Gestaltungshöhe kein geistiges Eigentum, ohne Eigentum kein »zu Markte tragen«, also keine Warenform und ohne Warenform keine Knete.

Und mit dieser Verwarenformisierung haben die Gerichte auch gut zu tun. So hatte zum Beispiel das Landgericht München über die Klage einer Riesenrad-Ansagerin zu entscheiden, die die »alte Kunst der sprachlichen Animation« nach eigener Aussage so perfektioniert habe, dass sie mit ihren Jahrmarktansagen »weit über die deutschen Landesgrenzen hinaus bekannt sei.« Sie sei sogar von der Abendzeitung als »erotischste Stimme der Wiesn« beschrieben worden und mit eben dieser Stimme sagte sie auf dem Jahrmarkt nach alter Kunstform: »Ja und jetzt, jetzt bring ma wieder Schwung in die Kiste, hey ab geht die Post, let’s go, let’s fetz, volle Pulle, volle Power, wow, super!«

Noch kein Abo?

Ein ak-Abo versorgt dich mit fundierten Analysen, jeder Menge Kritik und dem Wichtigsten aus linker Debatte und Praxis weltweit!

  • Jahres-Abo

    • monatlich auf 36 Seiten + Sonderhefte

    • Online-Zugang zu allen Artikeln

    • mit Abo-Prämie!

  • Probe-Abo

    • monatlich auf 36 Seiten

    • Online-Zugang zu allen Artikeln

    • 10 Euro (für 3 Monate, danach 58 Euro/Jahr)

  • Sozial-Abo

    • monatlich auf 36 Seiten + Sonderhefte

    • Online-Zugang zu allen Artikeln

Du hast bereits ein Abo und willst dich einloggen?

Zum Login