Revolution heute
Aufgeblättert: »The Future of Revolution« von Jasper Bernes
Von Marlon Lieber
Jasper Bernes’ Aufsätze gehören zu den scharfsinnigsten Beiträgen zur kommunistischen Theoriebildung in den Jahren nach der globalen Finanzkrise. Nun hat der US-amerikanische Literaturwissenschaftler ein Buch über Vergangenheit und Zukunft der Revolution vorgelegt. Im ersten Kapitel zeichnet Bernes luzide die Geschichte des »Rätegedankens« nach, wobei der Fokus auf den Ereignissen in Deutschland von 1917 bis 1923 liegt. Im abschließenden Kapitel wendet er sich dem Schicksal der Räte nach dem Zweiten Weltkrieg zu, orientiert sich dabei eng an der Perspektive französischer Theoretiker der Revolution als »Kommunisierung« und schlussfolgert, dass zukünftige Revolutionen ihren Schwerpunkt nicht am Arbeitsplatz und einer zu affirmierenden proletarischen Identität haben, sondern sich »exzentrisch zur Produktion« verhalten werden. Zwischen diesen beiden Kapiteln, die die kommunistische Theorie und Praxis historisieren, bietet Bernes eine wertformtheoretische Auseinandersetzung mit Modellen der Arbeitszeitrechnung, um die minimalen Bedingungen herauszuarbeiten, die vorhanden sein müssen, um vom Kommunismus sprechen zu können. Bernes argumentiert dabei stets präzise, doch bleibt das Buch für nicht mit der Theorie der »Kommunisierung« (die im deutschen Raum weniger verbreitet ist) vertraute Leser*innen möglicherweise schwer zu fassen. Dennoch lohnt sich die Lektüre.
Jasper Bernes: The Future of Revolution. Communist Prospects from the Paris Commune to the George Floyd Uprising. Verso, London/New York 2025. 192 Seiten, 21,50 EUR.