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Abo| |ak 729 | Alltag |Reihe: Motherhoods

Dorf und Rat

Von Jacinta Nandi

Man sieht Herbstlaub und eine sitzende Person, die auf ein Handy schaut.
Rat für Mütter gibt es heute im Internet en masse, und so nervig er auch ist, er kann Leben retten. Aber was ist mit dem Dorf, das es auch braucht? Foto: gemeinfrei

Was bedeutet es, eine gute Mutter zu sein, in einer Welt, in der es kein Dorf mehr gibt? Man braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen, das hört man oft. Wir Mütter brauchen alle Dörfer. Aber statt eines Dorfes hat man, haben wir, wir modernen Mütter: Rat im Internet, Redditgruppen, Facebook-Seiten. Attachment-Parenting-Kurse, Baby-Led-Weaning-Tutorials, Sleep-Training-Guidance … 

Statt Dorf gibt es also Rat. Rat von Fremden, die teilweise Expert*innen sind. Das Dorf findet jetzt online statt, und ich bin mir ziemlich sicher, dass – obwohl ich die Erwartungen an moderne Eltern oft zu hoch finde – diese Expertise schon ein paar Kinderleben gerettet hat. Eine Verwandte von mir, die in den 1950er Jahren geboren ist, hat mir mal erzählt, wie sie einmal eine Geburtsurkunde gefunden hat, von einem Säugling, mit genau ihrem Namen, aber einem anderen Geburtsdatum. Sie fragte daraufhin ihre Mutter aus, die ihr erklärte, dass sie nicht das erstgeborene Kind war, dass sie ein älteres Geschwisterkind hatte. Die Mutter meiner Verwandten war mit dem Vater des Kindes und ihrer eigenen Mama zum Zelten gefahren, als der Säugling fiebrig wurde. Die Mama war sehr jung, die Oma weniger jung, aber ungebildet und ignorant. Sie machten dem Baby kalte Wickel. Es verstarb. Die Ärzte im Krankenhaus sagten, dass, wenn sie ihnen die Leiche spenden würden, sie nichts für die Beerdigung bezahlen müssten. Das Kind ist danach nie wieder erwähnt worden.

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