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Kein Hund nimmt ein Stück Brot

Von Moritz Assall

Im Strafprozess vor dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg 1945/46 waren führende Personen des faschistischen Deutschlands wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen den Frieden und gegen die Menschlichkeit angeklagt. Die vielen anderen Täter*innen wurden jedoch nie belangt und übten weiterhin ihre Berufe aus – auch die Jurist*innen. Foto: Bundesarchiv Bild 183-H27798/Wikimedia , CC BY-SA 3.0 DE

Am 10. November 1938 saß die Dortmunder Familie Rüthers beim Abendessen. Der Vater wandte sich an seine drei Söhne, darunter der damals achtjährige Bernd Rüthers, mit den Worten: »Ihr wisst jetzt, wir leben in einem Verbrecherstaat. Aber ihr dürft das niemals jemandem sagen.« In der Nacht zuvor wurde das Haus von Männern der SA gestürmt, die jüdische Nachbarsfamilie Sternberg mitsamt Bernds gleichaltriger Kinderfreundin Ingrid Sternberg aus der Wohnung geprügelt, die Räume der Sternbergs verwüstet, das Mobiliar durch das Fenster auf die Straße geworfen. Die beiden jüdischen Hausmädchen der Sternbergs wollten die Männer der SA ebenfalls mitnehmen, suchten sie aber vergeblich. Sie waren versteckt im Schlafzimmer der Familie Rüthers.

Dreißig Jahre später, im Jahr 1968, erschien die Habilitationsschrift von Bernd Rüthers. Sie trägt den Titel »Die unbegrenzte Auslegung«, hat die Anwendung des Rechts im Nationalsozialismus zum Thema und wurde 2022 in sage und schreibe neunter Auflage veröffentlicht. Rüthers ging es darum, zu zeigen, wie das Recht von »ungemein großer Interpretationsfreiheit« gekennzeichnet ist, wie also nationalsozialistische Ideologie methodisch Eingang in die Rechtspraxis gefunden hat.

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