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Magische Regale

Von Moritz Assall

Kunst«, schreibt Jens Kastner in seinem Buch »Die Linke und die Kunst«, »Kunst hat in vielerlei Gestalt in die Narrative der Linken Eingang gefunden: als Mittel der Aufklärung, als Behälter der Wahrheit, als Entlarvungsgeste, als Teil von Emanzipationsprozessen, als Ermächtigungspraxis, als performatives Potenzial des Bruchs mit Konventionen, als Bestandteil sozialer und kultureller Neuzusammensetzung, als Instrument der Freiheit«. Aber was ist sie denn nun, diese Kunst? Adorno schrieb, Kunst sei »Magie, befreit von der Lüge, Wahrheit zu sein« – ein Zitat, so schön, dass es auch selbst Kunst sein könnte. In der Frage, was Kunst ist und was nicht, hilft es allerdings jetzt auch nicht so richtig weiter.

Auch vor Gerichten stellt sich die Frage nach der Kunst, zumal sich an dem Begriff der Kunst oft erhebliche Rechtsfolgen festmachen. Leicht gequält stellten Bundesverfassungsgericht und Bundesverwaltungsgericht dabei unisono fest, die »Bestimmung des Kunstbegriffs« leide darunter, »dass eine Definition der Kunst ihrem eigentlichen Wesen widerspricht, eine Abgrenzung in der Rechtsanwendung aber unvermeidlich« sei. Und auch der Bundesgerichtshof hält seit Jahrzehnten an seiner Rechtsprechung fest, dass im Zweifel eine weite Definition geboten sei, »um Kunstrichtertum auszuschließen«, was eine irgendwie lustige Formulierung ist angesichts dessen, dass genau das an deutschen Gerichten recht oft stattfindet: Die richterliche Feststellung darüber, was Kunst ist und was nicht.

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