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Abo| |ak 674 | Alltag |Kolumne: Jawoll, euer Ehren

Getränke­dosen­öffnungs­zisch­geräusch

Von Moritz Assall

Das Getränkedosenöffnungszischgeräusch, wirklich einmalig! Foto: Dosionair/Flickr, CC BY-ND 2.0

Es gibt ja schon ein paar Sachen, die sind eigentlich leider nicht so ganz so toll, machen aber ziemlich Spaß. Bei mir steht zum Beispiel ganz weit oben, an einem heißen Sommertag eine eiskalte Limonade aus einer Getränkedose trinken. Ganz im Ernst: Die klirrend kalte, von Kondenswasser benetzte Dose, das erwartungsvolle Hochdrücken der Lasche, das blecherne Klacken, wenn das Metall der Mündung aufbricht, dieses Zischen, Kohlensäure steigt auf, der erste Schluck – einfach einzigartig!

Wie einzigartig, war nun Gegenstand eines Verfahrens vor dem europäischen Gerichtshof, der sich intensiv mit dem »Klang, der beim Öffnen einer Getränkedose entsteht, gefolgt von etwa einer Sekunde ohne Geräusch und einem Prickeln von etwa neun Sekunden« auseinander zu setzen hatte. Im Kapitalismus gilt es bekanntlich stets, durch irgendwelche brauchbaren oder unbrauchbaren Neuerungen des Produkts die Konkurrenz auszustechen, um die Mehrwertabschöpferei etwas anzukurbeln. Darum hatte die Klägerin mit erheblichem technischem Aufwand ein vermeintlich ganz besonderes Getränkedosenöffnungszischgeräusch entwickelt. Dazu wurde in der Dose ein spezieller Stickstoffbehälter angebracht, der sich beim Öffnen etwas zeitversetzt in die Getränkeflüssigkeit entleert, weshalb das Zischen überdurchschnittlich lange anhält. Außerdem, so die Klägerin, entstehe durch die ganz spezielle kurze Pause zwischen dem Öffnen der Dose und dem Einsetzen des ganz speziellen Zischens ein »zusätzlicher Überraschungseffekt«, der die Aufmerksamkeit der Verbraucher*innen erregen solle.

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